Der Aufstieg der Zivilluftfahrt schreitet unaufhaltsam voran.[1] Vor wenigen Wochen erst wurde die Neugestaltung des europäischen Verkehrs sichtbar, als auf dem Flugplatz Tempelhof in Berlin ein Farman-Passagierflugzeug aus Paris landete. Fast gleichzeitig traf eine dreimotorige Junkers-Maschine auf dem Pariser Feld Le Bourget ein.[1] Die neunhundert Kilometer lange Luftlinie zwischen den beiden Hauptstädten konnte in lediglich sieben Stunden überwunden werden.[1] Ein wesentlicher Grund für diesen Aufschwung — der sich nunmehr ungehemmt entfalten kann — ist der Fortfall der drückenden Einschränkungen im Flugzeugbau.[1] Wie der Westfälische Merkur berichtet, haben die Verhandlungen der deutschen Delegation mit der Botschafterkonferenz dazu geführt, dass die baulichen Fesseln für heimische Konstrukteure beseitigt sind.[1] Zuvor war es untersagt, Maschinen zu bauen, die höher als 4000 Meter steigen, mehr als 600 Kilogramm Nutzlast befördern oder eine Geschwindigkeit von 170 Kilometern in der Stunde überschreiten konnten.[1]

In der noch jungen deutschen Verkehrsluftfahrt hat sich zudem eine weitreichende Konzentration vollzogen.[1] Nach dem Kriege hatten sich zunächst zahlreiche kleine Firmen gebildet, aus denen schließlich zwei große Konkurrenten hervorgingen: die Deutsche Aero Lloyd A.-G. und die Junkers Luftverkehr A.-G.[1] Um dem unwirtschaftlichen Nebeneinander ein Ende zu bereiten, schlossen sich diese Gesellschaften um die Jahreswende unter Beteiligung des Reiches und der Länder zur Deutschen Luft-Hansa zusammen.[1] Das nunmehr einheitlich geführte Streckennetz sucht in Europa seinesgleichen.[1] Dem Westfälischen Merkur zufolge legten deutsche Maschinen im innerdeutschen Verkehr schon in den ersten sechs Monaten des Vorjahres rund 2,5 Millionen Flugkilometer zurück.[1] Dabei wurden 45.000 Personen sowie 300 Tonnen Fracht, Post und Gepäck befördert.[1]

Neben großen innerdeutschen Fluglinien von Köln über Berlin nach Königsberg oder von Hamburg über Frankfurt nach Basel spannt sich das Netz weit über die Landesgrenzen hinaus.[1] Es bestehen Verbindungen von London und Paris über Berlin bis nach Moskau sowie auf der Achse nach Skandinavien und in den alpinen Süden.[1] Für die Passagiere bietet das Flugzeug nicht nur bedeutende Zeitersparnisse, sondern auch ein hohes Maß an Sicherheit.[1] Die Zuverlässigkeit des Flugbetriebs wird auf 99,9 Prozent beziffert, und jeder Fluggast ist mit 25.000 Mark versichert.[1]