Es ist sommerlich still am Wilsonquai geworden, doch in den Räumen des Völkerbundsekretariats wird intensiv an einem Dokument gearbeitet, das für den Orient von weitreichender Bedeutung sein dürfte.[1] Die Mitglieder der persischen Opiumkommission sind nach mehrmonatiger Inspektionsreise durch das asiatische Land nach Genf zurückgekehrt. Nun fassen sie ihre Beobachtungen in einem Bericht zusammen.[1] Die Gruppe von Sachverständigen hatte den Auftrag, die Möglichkeiten zur Eindämmung des Opiumanbaus und des dazugehörigen Handels in Persien zu studieren.[1]
Die gewonnenen Eindrücke belegen, wie tief die Opiumkultur im wirtschaftlichen Leben des Landes verwurzelt ist.[1] Von den 26 persischen Provinzen betreiben derzeit 18 den Mohnanbau auf einer Gesamtfläche von rund 40.000 Quadratmeilen.[1] In Handelszentren wie Ispahan bestreitet ein Viertel der 80.000 Einwohner seinen Lebensunterhalt unmittelbar durch dieses Gewerbe.[1] Wie der Westfälische Merkur berichtet, nimmt der Zwischenhandel derartige Ausmaße an, dass der eingedickte Mohnsaft auf dem Lande geradezu als Währung dient, in der Wanderarbeiter und Händler entlohnt werden.[1] Das persische Opium gilt als das hochwertigste auf dem Weltmarkt und wird mehrheitlich über den Hafen Buschehr nach Russland sowie in Richtung Britisch-Burma exportiert.[1]
Die Hauptschwierigkeit für den Völkerbund besteht allerdings nicht primär in der Kapitalbeschaffung für eine wirtschaftliche Umstellung. Vielmehr fehlt es an einer ausreichenden Infrastruktur.[1] Bislang ist der Tauschhandel von Dorf zu Dorf kaum entwickelt, da ohne ein tragfähiges Straßennetz schwerere Getreidelasten ohnehin nicht bis zur nächsten Stadt transportiert werden können.[1] Der Mohnanbau hingegen verspricht auf geringer Fläche reiche Erträge bei minimalem Wasserbedarf.[1] Die Regierung unter Riza Khan (Reza Schah Pahlavi) plant daher den Ausbau eines modernen Eisenbahnnetzes, wofür 50 Millionen Toman aus den Einkünften des Tee- und Zuckermonopols bereitgestellt werden sollen.[1] Die Verwirklichung dieser Vorhaben wird jedoch durch aufständische Turkmenen und durch die ständige Rücksichtnahme auf britische und russische Interessen erschwert. Dies gilt insbesondere für die Ausweitung des Eisenbahn- und Straßennetzes.[1]