In der finnischen Hauptstadt sowie in den verbündeten baltischen Republiken ist ein bedeutsamer Schritt in den diplomatischen Verhandlungen mit der Sowjetunion erfolgt. Die Regierungen Finnlands, Estlands und Lettlands haben den sowjetischen Vertretern ihre formellen Antworten auf die jüngsten Noten der Moskauer Regierung bezüglich des geplanten Nichtangriffspaktes übermittelt.[1] Dem Helsingin Sanomat zufolge empfing der finnische Außenminister Setälä (Eemil Nestor Setälä) den hiesigen sowjetischen Gesandten Lorenz (Iwan Lorenz), um ihm die Haltung der Regierung in Helsinki in einer ausführlichen mündlichen Unterredung darzulegen.[1] Dabei brachte Setälä seine Befriedigung darüber zum Ausdruck, dass beide Kabinette die grundsätzliche Nützlichkeit und Dringlichkeit eines solchen Abkommens vollauf anerkannten.[1] Finnland sei nunmehr bereit, in einen direkten mündlichen Gedankenaustausch einzutreten, um die noch offenen Punkte einer Klärung zuzuführen.[1]

Als unumstößliche Grundlage für die kommenden Gespräche betrachten die beteiligten Staaten jenes Memorandum, das sie der Moskauer Regierung bereits am 5. Mai gemeinschaftlich überreicht hatten.[2][1] Auch die estnische Diplomatie hat sich dieser Linie uneingeschränkt angeschlossen. In Tallinn übergab der estnische Außenminister dem dortigen sowjetischen Gesandten eine offizielle Antwortnote.[1] Aus dem estnischen Dokument geht hervor, dass man zur Beschleunigung des Verfahrens anregt, vorab in separate Verhandlungen einzutreten. Durch diese Gespräche sollen spezifische Einzelfragen geklärt werden, die mit dem Vertragswerk unmittelbar zusammenhängen.[1]

Eine besondere Rolle im Rahmen dieser konzertierten diplomatischen Aktion kommt dem lettischen Vorstoß zu. Der lettische Außenminister Ulmanis (Kārlis Ulmanis) teilte dem sowjetischen Vertreter in Riga, Tschernych (Michail Tschernych), am gestrigen Tage mit, dass Lettland bereit sei, die Verhandlungen ohne weiteren Verzug aufzunehmen.[1] Auch Riga beharrt darauf, dass das Memorandum vom Mai den unverrückbaren Ausgangspunkt der Gespräche bilden muss.[1] In der sowjetischen Gegennote vom 21. Mai sowie in dem von Moskau vorgelegten Vertragsentwurf wurden bestimmte Punkte nicht abschließend geregelt. Diese offenen Fragen könnten nun auf dem Wege direkter mündlicher Beratungen bereinigt werden.[1]

Um die Ausarbeitung des endgültigen Vertragstextes auf eine tragfähige Basis zu stellen, hat die lettische Regierung einen weitreichenden organisatorischen Vorschlag unterbreitet.[1] Laut dem Pariser Figaro plädiert Lettland nachdrücklich für die Einsetzung einer gemeinsamen Vorbereitungskommission.[2] Dieses Gremium soll nach den Vorstellungen Rigas nicht nur aus Vertretern der Sowjetunion bestehen, sondern zwingend die Delegierten sämtlicher Staaten umfassen, die gegenwärtig mit der Moskauer Regierung über den Nichtangriffspakt verhandeln.[2] Damit bringen Finnland und die baltischen Republiken das Bestreben zum Ausdruck, der sowjetischen Diplomatie nicht isoliert, sondern als geschlossener Block zu begegnen. Mit der koordinierten Antwort der Randstaaten ist der diplomatische Ball nun wieder an Moskau zurückgespielt worden.[1]