Die langwierigen Verhandlungen zwischen dem Reich und den am Mittellandkanal beteiligten Ländern haben zu einem erfolgreichen Abschluss geführt. Wie aus Regierungskreisen verlautet, einigten sich die Beteiligten am gestrigen Montag auf einen umfassenden Bauplan. Dieser soll im Rahmen des staatlichen Arbeitsbeschaffungsprogramms umgesetzt werden.[1][2]

Den Kern des Vorhabens bildet die Vollendung des Hauptkanals auf der Strecke von Peine bis Burg.[1][2] Hinzu kommen wichtige Teile des sogenannten Südflügels. Dazu zählen ein Kanal von Leipzig bis Creypau, die Kanalisierung der Saale von Creypau bis Halle sowie der Zweigkanal Bernburg—Leopoldshall—Staßfurt.[1][2] Ergänzt werden diese weitläufigen Anlagen durch einen Abzweig nach Braunschweig sowie einen Elbabstieg nach Rothensee und Niegripp.[1][2]

Die wirtschaftliche und verkehrstechnische Bedeutung des Projekts ist gewaltig. Laut dem Hamburger Echo blickt der Mittellandkanal auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Nach seiner Fertigstellung wird er Schiffen bis zu einer Tragfähigkeit von 1000 Tonnen die Durchfahrt von Deutschlands Westen bis in den Osten ermöglichen.[2] Die Route führt vom Dortmund-Ems-Kanal bei Bevergern über Minden, Hannover, Braunschweig, Oebisfelde und Neuhaldensleben nach Magdeburg. Von dort soll unter Einbeziehung des Ihle-, Plauer- und Oder-Spree-Kanals der Anschluss an die Oder hergestellt werden.[2] Zudem sollen Osnabrück, Linden und Hildesheim über eigene Kanäle angebunden werden.[2] Durch den Bau des Elster-Saale-Kanals werden auch Leipzig und Halle zu bedeutenden Binnenhafenplätzen.[2] Wie das Blatt weiter ausführt, existieren Pläne für zusätzliche Verbindungen nach Norden und Süden, darunter der Küstenkanal und der Hansakanal nach Hamburg. Deren Umsetzung bleibt jedoch vorerst eine wirtschaftliche Frage.[2]

Neben dem verkehrspolitischen Nutzen steht die Linderung der sozialen Not im Vordergrund. Der Weiterbau des Kanals und seiner umfangreichen Hafenanlagen bietet die Möglichkeit, zehntausenden Erwerbslosen Arbeit und Brot zu verschaffen.[2] Die tatsächliche Aufnahme der Arbeiten hängt nunmehr von den formalen Voraussetzungen ab. Das Bauprogramm soll begonnen werden, sobald die Verträge zur Vollendung des Kanals von den beteiligten Ländern unterzeichnet und dem Reich übermittelt worden sind.[1][2] Nach Angaben der Sächsischen Staatszeitung ist an dem Zustandekommen dieser Verträge in kürzester Frist jedoch nicht mehr zu zweifeln.[1]