Auf Einladung des Arbeitsausschusses deutscher Verbände sprach der renommierte amerikanische Historiker Professor Harry Elmer Barnes von der Columbia-Universität in der Aula der Berliner Universität über die Ursachen des Weltkrieges.[1][2] Wie die Badische Presse berichtet, wurde der Gast von Professor Sibelius und Exzellenz von Schnee begrüßt. Anschließend setzte er zu seinen weitreichenden historischen Darlegungen an.[1] Barnes vertrat mit Nachdruck die These, dass die Einsicht in die Unhaltbarkeit der deutschen Alleinschuld — wie sie der Vertrag von Versailles statuiert — in allen Ländern und insbesondere in Frankreich rasch an Boden gewinne.[3] Die Behauptung, die Alliierten seien in den Krieg, wie er sagte, nur „hineingestolpert“, wies er entschieden zurück.[2]

Nach Auffassung des Gelehrten, der zur Überprüfung weiterer dokumentarischer Unterlagen gegenwärtig verschiedene europäische Hauptstädte bereist, liegt die unmittelbare Schuld am Kriegsausbruch bei Russland, Frankreich und Serbien.[3][1] Dem Harburger Tageblatt zufolge verwies Barnes auf die einwandfrei festgestellte Mitschuld des serbischen Generalstabes an dem Attentat von Sarajevo. Er verwies zudem auf die allgemeine russische Mobilmachung, die ohne diplomatischen Grund bereits 24 Stunden vor der serbischen Antwort auf das Ultimatum erfolgte.[2] Österreich-Ungarn habe lediglich einen lokalen Strafkrieg gegen Serbien führen wollen. Es sei jedoch durch das Bündnissystem, ebenso wie Deutschland, in den Großkonflikt verstrickt worden.[1] Eine fatale Rolle sprach Barnes dem Abkommen zwischen Iswolski und Poincaré zu, durch das Frankreich an den Balkankonflikt gebunden worden sei.[1] In letzter Linie kämen Deutschland und England für die Schuldfrage in Betracht. Der Eintritt der Vereinigten Staaten sei auf rein propagandistische Motive zurückzuführen.[1]

Aus diesen historischen Befunden zog der amerikanische Gast weitreichende politische Schlüsse. Laut dem Hamburger Echo forderte Barnes eine Revision des Versailler Vertrages, da mit dem Fall der Kriegsschuldlüge auch das einseitige Reparationssystem hinfällig werde.[3][1] Darüber hinaus zeigte er Verständnis für die deutschen Bestrebungen auf Rückgabe des früheren Kolonialbesitzes.[1] Er betonte, dass sich gegen die Zurückerstattung von mindestens einem Teil der Kolonien logischerweise kein ernsthafter Widerstand mehr erheben dürfe, sobald die unhaltbare Behauptung der deutschen Alleinschuld endgültig beseitigt ist.[1]