Der sechste öffentliche Parteitag der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes in der Görlitzer Stadthalle hat nach intensiven Beratungen ein neues Parteiprogramm verabschiedet.[1] Wie die Sächsische Staatszeitung berichtet, fanden die von Dr. Wilhelm (Dresden) eingebrachten Leitsätze unter dem Namen „Görlitzer Richtlinien“ Annahme.[2][3] Die Wirtschaftspartei bezeichnet sich danach künftig als politische Vertretung sowohl des gewerblichen als auch des geistigen Mittelstandes. Sie stützt sich hierbei auf eine streng berufsständische Grundlage.[3]
In seiner Eröffnungsrede verlangte der Parteivorsitzende Drewitz ein entschiedenes Ende der staatlichen Zwangswirtschaft sowie eine deutliche Senkung der steuerlichen Belastung.[1] Die neuen Richtlinien fordern eine Revision der Reichsverfassung, um den Schutz des Privateigentums stärker zu verankern. Außerdem verlangen sie die Bildung einer Regierung, die überwiegend aus parteiunabhängigen Fachministern besteht.[3] Das Hamburger Echo berichtet ergänzend, das Programm sehe auch die Heraufsetzung des Wahlalters auf 24 Jahre und die Einführung eines Arbeitsdienstjahres für Jugendliche vor.[4]
In der Frage der nationalen Symbole bekennt sich die Partei unmissverständlich zur schwarz-weiß-roten Handelsflagge. Sie erklärt, diese Flagge verteidigen zu wollen und beruft sich dabei auf die Verfassung.[1][3] Außenpolitisch verabschiedeten die Delegierten eine Entschließung, in der die anhaltende Besetzung großer Teile der Rheinlande durch die ehemaligen Feindmächte missbilligt wird.[3] Nach Angaben der Kölnischen Zeitung sieht die Partei darüber hinaus im internationalen Zusammenschluss des deutschen Mittelstandes in Mitteleuropa eines ihrer Hauptanliegen.[1] Drewitz begrüßte ausdrücklich die anwesenden Vertreter aus Österreich, dem Saargebiet und dem sudetendeutschen Raum. Er kündigte an, ein gemeinsames Kulturprogramm solle die bürgerlichen Kräfte dieser Regionen einen.[1]
Die Organe der politischen Linken lehnen den Vorstoß der Wirtschaftspartei jedoch entschieden ab. Nach Darstellung des Hamburger Echos spreche der Gruppierung jede politische Bedeutung ab und betrachte sie lediglich als Zufluchtsort für rechtsstehende Abgeordnete — eine deutliche Polemik, die das gespannte Verhältnis der Parteien unterstreicht.[4] Der Görlitzer Parteitag verdeutlicht dennoch den Willen der Mittelstandspartei, künftig als eigenständige Kraft innerhalb eines bürgerlichen Blocks zu wirken.[1]