Die verheerenden Auswirkungen der amerikanischen Gesetzgebung gegen den Alkohol fordern abermals einen dramatischen Tribut an Menschenleben.[1] Wie die Washington Post meldet, sind im Westen des Staates New York und in der kanadischen Provinz Ontario mittlerweile 38 Menschen nach dem Konsum von gepanschtem Alkohol gestorben.[1] Der Evening Star spricht gar von 39 Toten und führt aus, dass insgesamt 3500 Gallonen des toxischen Gebräus in Umlauf gebracht worden seien.[2] Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht James G. Voelker, der sich der Polizei in Buffalo stellte.[1] Der zuständige Staatsanwalt Moore ordnete an, Voelker wegen Mordes ersten Grades anzuklagen.[1] Nach Angaben der Ermittler liegt Beweismaterial vor, dass der Beschuldigte wissentlich Holzgeist verkauft habe.[1] Voelker rechtfertigte sich damit, dass er die restliche Ware umgehend vernichtet habe, sobald er von der tödlichen Wirkung erfuhr.[2] Insgesamt wurden in Verbindung mit der Vergiftungswelle bereits zwanzig Personen verhaftet. In fünf Fällen wurde eine Anklage wegen Totschlags erhoben.[1]

Parallel zu diesen tragischen Vorfällen an der Grenze gehen die amerikanischen Bundesbehörden gegen die Hintermänner des illegalen Handels vor. Der Hong Kong Telegraph berichtet über die Verurteilung des sogenannten ‚Königs der Schieber‘, William Dwyer.[3] Ein Bundesgericht in New York befand Dwyer — der ein Syndikat mit einem geschätzten Umsatz von 40 Millionen Dollar leitete — der Verschwörung für schuldig und verurteilte ihn sowie seinen Komplizen E. C. Cohron zu zwei Jahren Haft.[3] Dass die bloße staatliche Repression jedoch an ihre Grenzen stößt, zeigt ein Blick über die nördliche Landesgrenze. Dem Evening Star zufolge floriert in der kanadischen Grenzstadt Hull der legale Verkauf. Dort versorgen Hotels, Tavernen und zahlreiche Lebensmittelgeschäfte nicht nur die Einheimischen. Auch ein stetiger Strom amerikanischer Touristen wird mit Bier und Spirituosen beliefert. Dies macht den grenzüberschreitenden Schmuggel für den Eigenbedarf beinahe zur Alltäglichkeit.[2]

Um der Kriminalität auf höchster Ebene begegnen zu können, suchen die Vereinigten Staaten nun verstärkt die internationale Zusammenarbeit. In London wurden kürzlich die anglo-amerikanischen Verhandlungen zur Bekämpfung des Alkoholschmuggels abgeschlossen.[1] Der amerikanische Prohibitionsdirektor Lincoln C. Andrews zeigte sich mit den Ergebnissen der Konferenz sehr zufrieden.[1] Gemeinsam mit dem britischen Unterstaatssekretär Godfrey Locker-Lampson wurde eine Vereinbarung getroffen, wonach beide Nationen künftig systematisch Informationen über die Schmugglerrouten austauschen werden.[1] Andrews räumte jedoch ein, dass es noch einige Zeit dauern werde, bis die neuen diplomatischen Hürden das lukrative Geschäft der Banden tatsächlich erschweren.[1]