Wie die China Mail berichtet, hat General Tschangkaischek am Montagnachmittag Kanton verlassen, um den aktiven Oberbefehl im Feldzug gegen die nördlichen Verbündeten des Marschalls Wupeifu (Wu Peifu) zu übernehmen.[1] Bemerkenswert ist dabei die Reiseroute des südchinesischen Militärführers. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der General, die Stadt Shiukwan (Shaoguan) am Nordfluss in einem Flugzeug zu verlassen. So möchte er auf dem Luftweg direkt in die Provinz Hunan an die vorderste Frontlinie gelangen.[1] Begleitet wird er auf dieser Unternehmung von dem sowjetischen Berater Borodin. Dessen Präsenz unterstreicht den anhaltenden russischen Einfluss auf die militärische Führung der Kuomintang.[1]
Die militärische Lage entwickelt sich derweil rasch zugunsten der Kantoner Regierung. Nach Angaben der Washington Post wurde die Provinzhauptstadt Changsha bereits am 17. Juli von Truppen aus Hunan besetzt, die von den südlichen Streitkräften unterstützt wurden.[2] Die nordchinesischen Einheiten unter Wupeifu sahen sich zum Rückzug auf die Stadt Yochow (Yueyang) gezwungen. Dort sind nun Vorbereitungen zur Verteidigung der Grenze zur Provinz Hupeh (Hubei) im Gange.[2] Dennoch rücken die revolutionären Armeen auf Yochow vor.[2]
Auch in der benachbarten Provinz Hupeh verzeichnen die südlichen Armeen strategische Erfolge. Dem Hong Kong Telegraph zufolge ist der Bezirk Yangloudong, eines der bedeutendsten Teeanbaugebiete rund sechzig Meilen vor Wuchang, in die Hände der revolutionären Truppen gefallen.[3] Die Lage in Wuchang wird von den nördlichen Kommandeuren als kritisch eingeschätzt. Der Tupan von Hupeh hat daher umgehend Verstärkungen angefordert.[3] In militärischen Kreisen wird erwartet, dass diese Entwicklung das persönliche Eingreifen Marschall Wupeifus an der Front beschleunigt. Offenbar ist keiner seiner Unterführer imstande, die Invasion der revolutionären Armeen aufzuhalten.[3]
Der groß angelegte Nordfeldzug fordert erhebliche finanzielle Opfer, die die Ressourcen der südlichen Regierung belasten. Ursprünglich wurden die monatlichen Ausgaben für die Militäroperationen auf vier Millionen Dollar veranschlagt.[3] Seit Beginn der allgemeinen Mobilmachung übersteigen die tatsächlichen Kosten jedoch diese Schätzungen bei weitem, sodass sich die Kriegskosten mittlerweile auf über sechs Millionen Dollar pro Monat belaufen.[3] Parallel zu den militärischen Anstrengungen wachsen die innenpolitischen Spannungen in Kanton. Arbeiterorganisationen der Kuomintang versuchen, die Kontrolle über die lokale Presse zu erlangen.[3] Neben hohen Lohnforderungen verlangen sie das Verbot jeder arbeiterfeindlichen Berichterstattung sowie eine zweimonatige Lohnfortzahlung im Falle einer Betriebsschließung.[3] Die kantonesischen Journalisten widersetzen sich diesen Zensurversuchen bisher standhaft.[3] Diese innerchinesischen Wirren bleiben nicht ohne Wirkung auf Europa; so verzeichnen deutsche Häfen infolge der Lage bereits Rückgänge im ostasiatischen Schiffsverkehr.[4]