In der festlich geschmückten Aula des Kolonialinstituts zu Amsterdam wurde am Mittwochabend der vierte Kongress der Internationalen Föderation akademischer Frauen eröffnet.[1] Wie der *Nieuwe Rotterdamsche Courant* berichtet, erfreute sich die Auftaktveranstaltung außerordentlich großen Zuspruchs.[1] Die Stadtverwaltung war durch den amtierenden Bürgermeister Wibaut vertreten, während die Universität durch Professor Scholte repräsentiert wurde.[1]
In ihrer englischsprachigen Begrüßungsrede wandte sich die Vorsitzende der niederländischen Vereinigung, E. C. Simons, an die Delegierten aus aller Welt.[1] Sie äußerte große Dankbarkeit gegenüber jenen Vorkämpferinnen, die es den Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts ermöglicht hätten, nicht nur eine akademische Ausbildung zu erhalten, sondern auch als Gleichberechtigte ins Berufsleben einzutreten.[1] Dennoch stehe noch nicht jeder Beruf offen, und die akademische Frau sehe sich gehalten, um den Erhalt des bereits Errungenen erneut zu kämpfen.[1] Ein besonderer Moment der Zusammenkunft war die ausdrückliche Begrüßung der deutschen Abgesandten.[1] Zum ersten Mal nehmen Vertreterinnen aus Deutschland an den Sitzungen der Föderation teil — ein Umstand, den Simons als wesentlich für den wahrhaft internationalen Charakter der Vereinigung bezeichnete.[1]
Ergänzend sprach Dr. M. J. Freie, Rektorin eines Amsterdamer Mädchenlyzeums, über die Notwendigkeit, das Bewusstsein für die weibliche Erwerbsarbeit zu stärken.[1] Es sei zunächst von größerer Bedeutung, die Vorurteile unter den Frauen selbst abzubauen, als sofort um die Anerkennung durch die Männer zu ringen.[1]
Dass der internationale Austausch auch unerwartete Perspektiven eröffnet, zeigte sich nach Angaben der *Washington Post* beim Auftritt der amerikanischen Delegierten Lillian M. Gilbreth.[2] Die Mutter von elf Kindern, welche zugleich als Präsidentin einer Gesellschaft für Betriebsingenieure fungiert, forderte eine grundlegend neue Rollenverteilung im Privaten.[2] Sie vertrat die Ansicht, dass eine erfolgreiche Verbindung von Beruf und Familie für Frauen erst dann möglich sei, wenn Ehemänner bereit und fähig seien, bei der Küchenarbeit und im Kinderzimmer ebenso geschickt mit Hand anzulegen, wie ihre Frauen am Geschäftsleben teilnehmen.[2] Diese Forderung nach einer gleichmäßigen Aufteilung der häuslichen Pflichten erstaunte viele europäische Teilnehmerinnen, da sie eine derartige Unterstützung durch die Männer ihrer Heimatländer kaum zu erwarten wagten.[2]