Der dritte theosophische Weltkongress hat im niederländischen Ommen seinen feierlichen Anfang genommen.[1] In Anwesenheit von nicht weniger als 2666 angereisten Mitgliedern, die insgesamt 26 Nationen vertreten, wurde die internationale Zusammenkunft durch den Führer des Ordens, Jiddu Krishnamurti, offiziell eröffnet.[1] Wie das Berliner Tageblatt berichtet, gab Krishnamurti in seiner ausführlichen Begrüßungsrede zunächst Aufschluss über die vielfältige Tätigkeit der theosophischen Vereinigung seit dem letzten großen Kongress im Jahre 1924.[1] Im Anschluss daran wandte sich auch die bekannte Theosophin Annie Besant mit einer Ansprache an die zahlreich erschienenen Teilnehmer des Kongresses.[1]

Die spirituelle Ausrichtung der Tagung fand ihren vorläufigen Höhepunkt, als sich die Anhänger in den Abendstunden um ein großes Lagerfeuer scharten.[1] In dieser besinnlichen Atmosphäre hielt Krishnamurti eine eindringliche Rede, in der er Ruhe, Mäßigung und Toleranz als elementare Tugenden pries, welche die Menschheit erstreben müsse, um wahrhaft glücklich zu werden.[1] Wahres Glück, so betonte der Ordensführer vor seinen Zuhörern, liege allein in der tiefen Harmonie des Geistes.[1] Demzufolge sei der durch Buddha gewiesene heilige Mittelweg der einzig wahre Pfad zu innerem Frieden und weltumspannendem Glück.[1]

Neben diesen philosophischen Darlegungen wurden den Anwesenden zudem weitreichende organisatorische Entscheidungen verkündet. Krishnamurti teilte mit, dass er das Schloss Eerde, das dem Orden seinerzeit durch den Baron von Pallandt großmütig geschenkt worden war, künftig zum ständigen Hauptquartier der Bewegung erheben werde.[1] Er beabsichtige, jedes Jahr mindestens drei Monate an diesem Ort zu verweilen und bat seine Anhänger, dieses weitläufige Anwesen zu einem lebendigen geistigen Mittelpunkt zu formen.[1] Es solle ein Refugium entstehen, an dem die Menschen in enger Gemeinschaft mit der Natur die göttliche Liebe erfahren können, die nach theosophischer Lehre die Quelle des wahren Friedens darstellt.[1]

In einer gesonderten Unterredung mit Pressevertretern äußerte sich der theosophische Führer auch zu den gegenwärtigen Verhältnissen im Deutschen Reich.[1] Laut dem Bericht des Berliner Tageblatts erklärte Krishnamurti, dass er sich viel von der geistigen Erneuerung des neuen Deutschland verspreche.[1] Aus diesem Grunde beabsichtige er, der deutschen Republik in absehbarer Zeit einen persönlichen Besuch abzustatten.[1]