Die politische Lage in der chinesischen Hauptstadt gleicht zunehmend einem Trauerspiel, das jede staatliche Ordnung aushöhlt. Wie die in Hongkong erscheinende China Mail unter Berufung auf einen Leitartikel der Londoner Times ausführt, verschwindet mit der Ankunft der führenden Militärmachthaber abermals eine reine Phantomregierung aus Peking.[1] Seit der Gründung der Republik haben in der Hauptstadt schätzungsweise mehr als vierzig Kabinette die Macht ausgeübt oder zumindest den Anschein erweckt, regieren zu wollen.[1] Der letzte provisorische Premierminister, Admiral Tuhsikuei (Du Xigui), hielt sich ebenso wie sein Vorgänger Dr. Yen (Yan Huiqing) kaum lange genug im Amt, um überhaupt ein Kabinett zu bilden oder eine politische Linie zu formulieren.[1]

Unter diesen Umständen ist die internationale Zollkonferenz in eine Sackgasse geraten.[1] Nach Angaben der China Mail verhandelten die ausländischen Delegierten ein halbes Jahr lang in einer Atmosphäre völliger Unwirklichkeit.[1] Während chinesische Minister noch zusicherten, die sogenannten Likin-Inlandszölle abzuschaffen, löste sich die Regierung faktisch bereits auf.[1] Die chinesischen Delegierten verschwanden rasch von der Bildfläche. Der ursprüngliche Delegationsleiter floh nach Schanghai; andere Mitglieder suchten im Gesandtschaftsviertel unter dem Schutz der Bajonette ausländischer Truppen Zuflucht.[1] Die fortgesetzte Plünderung von Staatseinnahmen, die für ausländische Kredite verpfändet waren, sowie die Konfiszierung der Salzsteuer entwickeln sich zum internationalen Skandal.[1]

Die Lösung der Krise hängt nun fast ausschließlich von den militärischen Machtverhältnissen ab. Aus dem Berliner Tageblatt geht hervor, dass sich der japanische Vertreter auf der lahmgelegten Pekinger Konferenz, Hioki, äußerst deutlich geäußert hat.[2] Die diplomatischen Ziele Japans seien demnach untrennbar mit der Wiederherstellung der Ruhe in China verbunden.[2] Dies sei jedoch nur erreichbar, wenn eine Einigung zwischen den verfeindeten Kriegsherren Tschangtsolin (Zhang Zuolin) und Wupeifu (Wu Peifu) zustande komme.[2] Ein solches Bündnis hätte jedoch nur dann Bedeutung, wenn die Volksarmee des Generals Fengjuhsiang (Feng Yuxiang) vernichtend geschlagen würde.[2]

Der Schlüssel zu diesem militärischen Erfolg liegt in der Einnahme des strategisch wichtigen Nankaupasses.[2] Laut dem Berliner Tageblatt gestaltet sich diese Operation äußerst schwierig, solange Russland die Truppen Fengjuhsiangs weiterhin materiell unterstützt.[2] Die Befriedung Chinas im Sinne Japans und der übrigen Konferenzmächte fällt daher faktisch mit dem Ende der sowjetischen Einmischung zusammen.[2] Unterdessen wird sich General Sunschuanfang seiner ausschlaggebenden Stellung im Osten des Landes immer mehr bewusst. Er hat für Anfang August eine Konferenz der führenden Kommandeure seiner fünf Provinzen sowie der Generale aus Hupeh und Honan nach Nanking einberufen.[2] Gleichzeitig sind zwei hochrangige Kommandeure der Volksarmee in Schanghai eingetroffen. Deshalb verdichten sich die Gerüchte, dass Fengjuhsiang bald selbst auf die politische Bühne zurückkehren wird.[2]