Aus dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen erreichen uns Nachrichten über einen äußerst verhängnisvollen Zwischenfall. Dem New York Herald zufolge, der sich auf telegrafische Meldungen aus Belgrad stützt, ist es in der südlichen Herzegowina zu schweren Unruhen gekommen.[1][2] Schauplatz der Auseinandersetzungen war das Dorf Liubeni, wo die lokale Bevölkerung offenbar den Versuch unternahm, die dort stationierte Gendarmeriegarnison gewaltsam zu vertreiben.[1][3]
Die Lage vor Ort geriet außer Kontrolle. Die Ordnungskräfte konnten sich der Übermacht der Aufständischen nicht mehr erwehren. Nach vorliegenden Berichten sah sich die Gendarmerie schließlich zum Rückzug gezwungen.[2][3] In höchster Bedrängnis eröffneten die bewaffneten Beamten das Feuer auf die andrängenden Dorfbewohner.[1][3]
Dieser Akt der Gewalt führte zu einem erschütternden Blutbad auf beiden Seiten. Unter der Zivilbevölkerung sind nach ersten Angaben fünfzehn Tote zu beklagen, während weitere vierzig Personen schwere Verletzungen davontrugen.[1][2] Auch die Ordnungskräfte mussten Verluste hinnehmen. Dem Vernehmen nach fielen aufseiten der Gendarmerie nicht weniger als fünfzig Mann.[2][3]
Die außerordentlich hohe Zahl an Opfern unter den staatlichen Einsatzkräften deutet darauf hin, dass es sich bei den Vorgängen in Liubeni nicht um eine bloße Spontanrevolte, sondern um einen organisierten, erbitterten Kampf gehandelt hat. Nach Angaben der Neuen Freien Presse bestätigen die eintreffenden Depeschen den Ernst der Situation. Diese wirft ein grelles Licht auf die schwelenden Spannungen in der herzegowinischen Provinz.[3]