Die mit Spannung erwartete Panasiatische Konferenz ist am Sonntag in der südjapanischen Hafenstadt Nagasaki zusammengetreten, um über die politische und wirtschaftliche Zukunft des Fernen Ostens zu beraten. Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung meldet, nehmen 52 Delegierte an den Verhandlungen teil. Vertreter aus Japan, Korea, Siam und den Philippinen bilden den Kern der Versammlung.[1] Den Vorsitz der Zusammenkunft, die in den Hauptstädten Europas aufmerksam beobachtet wird, führt ein namentlich nicht genannter japanischer Abgeordneter.[1] Die japanische Delegation nutzte die erste Sitzung, um weitreichende Vorschläge einzureichen. Die Initiativen sehen unter anderem die Errichtung repräsentativer Konferenzhallen einer künftigen Panasiatischen Union in sämtlichen asiatischen Hauptstädten vor.[1] Ferner fordern die Gastgeber den forcierten Bau asiatischer Eisenbahnen und eine Erleichterung des gegenseitigen Schriftverkehrs, um die verkehrstechnische und kulturelle Bindung der Völker zu stärken.[1]
Das Zusammentreffen steht unter strenger staatlicher Aufsicht. Nach Angaben der Washington Post war ein starkes Polizeiaufgebot im Konferenzsaal präsent, um westfeindliche Reden oder die Verabschiedung radikaler Resolutionen von vornherein zu unterbinden.[2] Die japanischen Behörden bemühen sich offenbar, offene diplomatische Affronts gegen die europäischen Mächte zu vermeiden. Dem Hong Kong Telegraph zufolge beschränkten sich die Ansprachen der meisten Teilnehmer daher auf allgemeine Redewendungen, in denen die asiatischen Rassen lediglich dazu aufgefordert wurden, künftig ihre eigenen Interessen entschlossener zu wahren.[3]
Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen blieb der Kongress nicht von ernsten Zwischenfällen verschont. Während erste deutsche Depeschen noch meldeten, dass chinesische Abgesandte den Beratungen vollständig ferngeblieben seien,[1] berichten angelsächsische Blätter von einem handfesten Eklat. So griff ein anwesender chinesischer Delegierter den britischen Imperialismus in scharfer Form an.[3] Aus Berichten der amerikanischen Hauptstadtpresse geht hervor, dass die Konferenz beinahe an einer weitreichenden chinesischen Resolution gescheitert wäre.[2] Diese verlangte als unbedingte Voraussetzung für eine asiatische Einheit die Annullierung jenes Vertragswerks, das auf den Einundzwanzig Forderungen Japans von 1915 basiert, sowie die Aufhebung aller weiteren einseitigen Abkommen.[2] Die japanischen Vertreter drohten daraufhin unverhohlen mit ihrem sofortigen Rückzug. Dies führte schließlich zur Vertagung des brisanten Antrags — ein diplomatischer Kompromiss, der das vorzeitige Ende der Zusammenkunft gerade noch verhinderte.[2]