Im Hauptausschuss des Danziger Volkstages hat Senatspräsident Dr. Sahm eine richtungsweisende Erklärung zu den künftigen Beziehungen zwischen der Freien Stadt und der Republik Polen abgegeben.[1] Wie die Badische Presse berichtet, bezog sich das Staatsoberhaupt auf die jüngste Rede des polnischen Ministerpräsidenten Bartel, in der dieser die Notwendigkeit einer sachlichen wirtschaftlichen Zusammenarbeit anerkannt hatte.[1] Die Danziger Regierung begrüßte diese Stellungnahme ausdrücklich und betonte, dass auch die Weichselmetropole ein vitales Interesse daran habe, das polnische Wirtschaftsgebiet als ihr natürliches Hinterland florieren zu sehen.[2]

Nach Angaben der Sächsischen Staatszeitung verwies Sahm darauf, dass eine prosperierende polnische Wirtschaft und gesunde Staatsfinanzen der Nachbarrepublik für die Freie Stadt von größtem Nutzen seien.[2] Allerdings verlangte der Senatspräsident, dass die durch den Friedensvertrag von Versailles geschaffene staatliche Selbstständigkeit Danzigs von polnischer Seite vorbehaltlos respektiert werde.[2]

Deutlichen Widerspruch erfuhr jedoch eine Passage in Bartels Rede, die offenkundig auf irrtümlichen Informationen beruhte.[1] Dem Harburger Tageblatt zufolge wies Sahm die Behauptung Warschaus kategorisch zurück, Danzig habe den Völkerbund um Hilfe bei der Sanierung seiner Finanzen gebeten.[3] Die städtischen Finanzen seien vielmehr „innerlich gesund“ und lediglich durch außergewöhnliche, von der Stadt nicht zu verantwortende Umstände vorübergehend negativ beeinflusst worden.[3] Es sei unzutreffend, dass das Finanzkomitee des Völkerbundes in London getagt habe, um Wege zur Sanierung des Danziger Haushalts zu finden.[2][1]

Vielmehr habe die Freie Stadt die vermittelnde Mitwirkung des Völkerbundes aus einem anderen Grund gesucht. Laut der Badischen Presse ging es bei den Londoner Beratungen ausschließlich um auswärtige Fragen, namentlich um die Regelung der Reparationsansprüche sowie um die Neufestsetzung des Zollverteilungsschlüssels.[1] Letzterer ist für Danzig von existenzieller Bedeutung, da der bisherige Modus die städtische Wirtschaft ungeschützt den Kursschwankungen der polnischen Währung ausliefert.[2]

Eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Freien Stadt sei jedenfalls ausgeschlossen, da Danzig in seiner Finanzverwaltung strikt autonom bleibe.[3] Der Senat sprach die Hoffnung aus, dass diese Aufklärung geeignet sei, die in der Danziger Bevölkerung entstandene Beunruhigung zu zerstreuen.[2] Die seit zwei Jahren in der Schwebe befindliche Zollfrage könne, so erklärte Sahm abschließend, nur auf dem Boden der geltenden Verträge gelöst werden. Ferner dürfe sie nicht an politische Vorbedingungen geknüpft werden.[2]