Die militärische Lage im chinesischen Bürgerkrieg droht sich in den kommenden Tagen weiter zuzuspitzen. Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung meldet, ist an der Front am Nankau-Pass die Stille durch heftiges Artilleriefeuer unterbrochen worden.[1] Die beginnende Offensive des Marschalls Wu Pei-fu stößt jedoch auf unerwartete Widerstände in den eigenen Reihen.[1] Ein Stabsoffizier des Großen Hauptquartiers musste bei einem Frontbesuch feststellen, dass Offiziere der Schansi-Truppen den Gehorsam verweigerten. Diese Einheiten müssen als militärisch unbrauchbar eingestuft werden.[1] Sogar Telegramme, die der Marschall an das Hauptquartier der Fronttruppen sandte, blieben ungeöffnet.[1] Dagegen sollen unter General Tien neu organisierte Truppen kampfbereit stehen.[1]

Während Marschall Wu Pei-fu im Norden mit Disziplinlosigkeiten kämpft, richten sich die Blicke auf den Generalgouverneur der fünf mittelchinesischen Provinzen, Sun Chuan-fang.[1] Laut Berichten der Pravda hatte dieser noch kurz zuvor versucht, die militärischen Operationen durch einen Waffenstillstand aufzuhalten. Er bot sich außerdem als Vermittler an.[2] Dieses Manöver blieb jedoch ohne Erfolg.[2] Dem Hong Kong Telegraph zufolge hat sich der Machthaber nun endgültig entschieden, Marschall Wu Pei-fu im Kampf gegen die Kuomintang-Truppen im Südwesten zu unterstützen.[3] Entsprechende Befehle an seine Truppen, sich gegen die sogenannten ‚Roten' in Kanton, Kwangsi (Guangxi) und Hunan bereitzumachen, seien ergangen.[3] Vier Brigaden aus Fukien (Fujian) marschieren demnach in Kiangsi (Jiangxi) ein, um gegen die Kuomintang vorzugehen.[3] Etwa sechs chinesische Kanonenboote, darunter die Maichu, ziehen sich laut Beobachtern in Amoy (Xiamen) zusammen. Sie werden voraussichtlich nach Süden gegen Kwangtung (Guangdong) operieren.[3]

Gleichzeitig verzeichnet Südchina erhebliche Flottenunruhen. Aus Amoy wird gemeldet, dass sämtliche Kriegsschiffe in Fukien sich gegen den dortigen Machthaber Chow Yum-yan (Zhou Yinren) erklärt haben und stattdessen mit Admiral Sah Chen-ping sympathisieren.[3] Als der Tupan daraufhin die Kapitäne der Kreuzer Ying Sui und Hai-Yung ihres Kommandos enthob, rief dies in der Schwadron große Empörung hervor. Die Schiffe machten sich gefechtsklar, um der Absetzung zu trotzen.[3] Eine Delegation der Flotte ist Berichten zufolge auf dem Weg nach Kanton, um der dortigen Regierung ein Bündnis anzubieten.[3] Chow Yum-yan hat indes in Foochow (Fuzhou) und Amoy die sofortige Verhaftung aller Kuomintang-Mitglieder angeordnet.[3]

Die Truppen der südlichen Regierung unter General Tschangkaischek (Chiang Kai-shek) dringen derweil weiter vor.[3] Berichten aus Kuomintang-Kreisen zufolge rückt die Armee von Kanton auf zwei Routen in Kiangsi ein.[3] Die zweite Division des ersten Armeekorps — eine Eliteeinheit Tschangkaischeks — ist bereits in Pun Chow in der Provinz Hunan eingetroffen. Dort wird der Oberbefehlshaber für den heutigen 3. August erwartet.[3]

Angesichts dieses Vormarsches warnen Vertreter der internationalen Diplomatie vor unbedachten finanziellen Unternehmungen. Die China Mail zitiert Erklärungen, in denen betont wird, dass ausländische Mächte sinnvollerweise nur mit einer chinesischen Nationalregierung verhandeln könnten, deren Autorität tatsächlich vorhanden ist.[4] Da die südliche Regierung ihre Macht nach Zentralchina ausdehnt, werde sie alle Anleihen annullieren, die von den Vertretern Wu Pei-fus und Tschangtsolins (Zhang Zuolin) in Peking aufgenommen wurden.[4] Überdies drängt die Bewegung auf eine Revision der ungleichen Verträge, um die Souveränität Chinas wiederherzustellen.[4]