In der Hansestadt wurde am Wochenende unter starker Anteilnahme der Bevölkerung die Hamburger Kolonialwoche feierlich eröffnet. Den Auftakt bildete das 25-jährige Stiftungsfest des Vereins ehemaliger Ostasiaten.[1] Wie der Westfälische Merkur berichtet, hielt Regierungsrat Zache, der Vorsitzende der kolonialen Arbeitsgemeinschaft Großhamburg, die Festansprache.[1] Er betonte, dass die sogenannte ‚koloniale Schuldlüge‘ durch unermüdliche Aufklärung in ihrer Hohlheit zusammengebrochen und im Zuge der Verhandlungen von Locarno faktisch zurückgenommen worden sei.[1] Nun gelte es, mit vereinten Kräften auf die Rückgabe des deutschen Kolonialbesitzes hinzuarbeiten. Dieses Ziel solle die territoriale und wirtschaftliche Basis der Nation für die Zukunft sichern.[1]

Der Sonntag stand ganz im Zeichen öffentlicher Großkundgebungen. Nach der Fahnenweihe des Vereins deutscher Südwestafrikaner zogen die Verbände zum Wißmann-Denkmal. Dort fand eine feierliche Kranzniederlegung für die in den überseeischen Gebieten und in China Gefallenen statt.[1] Ein gewaltiger Festzug, an dem sich ehemalige Schutztruppen, Askaris sowie Kamelreiter beteiligten, bewegte sich anschließend durch die dicht gesäumten Straßen.[1] Symbolische Festwagen stellten die ehemaligen Gebiete in Afrika und der Südsee dar. Ergänzt wurde der Zug durch eine Jagdkarawane der Firma Hagenbeck.[1] Auch im Ausland fand das Ereignis Beachtung. So meldet der Hong Kong Telegraph unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuter, dass Vertreter diverser Kolonialvereine — darunter auch Marine- und Heeresverbände aus Tsingtau (Qingdao) — im Rahmen der „Korag“ zusammenkamen, um eine neue Kampagne für die Rückgabe der Überseebesitzungen zu proklamieren.[2]

Am Nachmittag versammelten sich Tausende in der Hamburger Stadthalle.[1] Bürgermeister Dr. Petersen führte in seiner Ansprache aus, dass der koloniale Gedanke in Hamburg vor allem wirtschaftlich tief verwurzelt sei.[1] Deutschland benötige dringend eine eigene Versorgung mit Ölen, Fettstoffen und weiteren Rohprodukten.[1] Darüber hinaus wies Petersen die Vorwürfe einer feindseligen Haltung gegenüber der indigenen Bevölkerung zurück. Die Deutschen seien in die Kolonien gekommen, um durch Fleiß wertvolle Arbeit zu leisten.[1] Er schloss seine Rede. Daran schlossen sich Ausführungen des ehemaligen Gouverneurs Theodor Seitz an. Petersen beendete seine Ansprache mit einem Zitat Paul von Lettow-Vorbecks: „Bricht der Anker, hält der Mann!“[1]

Den wissenschaftlichen Überbau der Veranstaltung bilden in dieser Woche zahlreiche akademische Vorträge. Im Institut für Tropenkrankheiten sprechen renommierte Experten wie Professor Meinhof über afrikanische Kultur sowie Professor Hambruch über die Südsee.[1] Den Abschluss der ersten Veranstaltungstage bildet ein Lichtbildervortrag Zaches über die Verluste der deutschen Kolonien, der die nüchterne Bestandsaufnahme der Gegenwart einmal mehr unterstreicht.[1]