Die brasilianische Regierung hat einen endgültigen Strich unter ihre Mitarbeit in Genf gezogen. Wie das Harburger Tageblatt berichtet, teilte Brasilien dem Völkerbundsekretariat offiziell mit, dass es sich an den künftigen Beratungen des Völkerbundes über die Abrüstungsfrage nicht weiter beteiligen werde.[1] Nach Angaben der Badischen Presse bedeutet dieser weitreichende Schritt faktisch den vollständigen Abbruch sämtlicher Beziehungen Brasiliens zum Völkerbund.[2]

Der Rückzug des südamerikanischen Landes beleuchtet die andauernde Krise, in welche die Genfer Institution durch den Streit um die ständigen Ratssitze geraten ist. Während Brasilien nun die äußersten Konsequenzen zieht, setzen andere Staaten ihr Ringen um eine privilegierte Position hartnäckig fort. Der polnische Außenminister betonte kürzlich vor Vertretern der Auslandpresse, dass die Erlangung eines ständigen Sitzes im Völkerbundrat weiterhin ein grundsätzliches Ziel der Warschauer Politik bleibe.[1][3]

Unterdessen dringt auch Spanien auf eine rasche Klärung vor der im September beginnenden Völkerbundversammlung. Dem Pariser Figaro zufolge hat der spanische Vertreter Palacios die Kommission zur Prüfung der Ratszusammensetzung nachdrücklich um eine baldige Sitzung ersucht, um Madrids Forderung nach einem ständigen Sitz voranzutreiben.[4] Die bevorstehende Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, über deren Modalitäten der deutsche Botschafter von Hoesch derzeit mit Außenminister Briand in Paris verhandelt, wird somit von komplizierten diplomatischen Manövern begleitet.[3]