In den gestrigen Abendstunden und am heutigen Vormittag wurde die Reichshauptstadt von schweren Tumulten erschüttert, die ein massives Eingreifen der Schutzpolizei erforderlich machten.[1] Wie die Neue Freie Presse berichtet, veranstalteten Jungsozialisten und Kommunisten groß angelegte Antikriegsdemonstrationen. Dabei kam es beim Abmarsch der Massen in verschiedenen Stadtteilen zu gewaltsamen Zusammenstößen.[1]
An der Schlossbrücke erkannten kommunistische Demonstranten den Polizeivizepräsidenten Dr. Friedensburg, der die Sicherheitsmaßnahmen persönlich kontrollierte.[1] Die Menge versuchte, auf ihn einzudringen, wurde jedoch von den Beamten abgedrängt.[1] Am Alexanderplatz geriet die Polizei so stark in Bedrängnis, dass sie gezwungen war, Schreckschüsse abzugeben.[1] Insgesamt nahm die Polizei dreizehn Demonstranten fest. Mehrere Personen erlitten Verletzungen durch den Einsatz von Gummiknüppeln.[1]
Heute Mittag setzten sich die Unruhen an anderer Stelle fort. Vor dem Zentralarbeitsnachweis in der Gormannstraße kam es zu schweren Krawallen.[2] Nach Schilderungen des Hamburger Echo forderte ein Polizeibeamter einen randalierenden Erwerbslosen auf, sich ordnungsgemäß in die Reihen der Wartenden auf dem Hof einzufügen.[3] Daraufhin griffen dessen Kameraden den Beamten an und misshandelten ihn.[3] Ein weiterer Polizist wurde im Zuge der Auseinandersetzungen ebenfalls angegriffen.[1][2]
Die Exekutive sperrte umgehend die umliegenden Straßen ab und trieb die Ansammlungen mit vorgehaltenen Karabinern und Gummiknüppeln auseinander.[1][2] Erst in den frühen Nachmittagsstunden konnte die Ruhe wiederhergestellt werden.[2] Das Hamburger Echo verweist darauf, dass die lang währende Erwerbslosigkeit dazu führe, ältere Menschen stumpf und jüngere rabiat werden zu lassen, was die verzweifelte Lage der Betroffenen verschärft.[3] Die Behauptung kommunistischer Kreise, die eingesetzten Beamten seien angetrunken gewesen, wies die Behörde als unzutreffend zurück.[1] Da die Kommunisten in den letzten Tagen wiederholt starke Aktivitäten entfalteten, nimmt das Polizeipräsidium die Vorfälle außerordentlich ernst. Es erwägt verschärfte Anordnungen, um eine Wiederholung derartiger Zusammenstöße zu verhindern.[1]