Ein drastischer Akt der Pressezensur kennzeichnet die angespannte politische Lage in der chinesischen Hauptstadt. Wie die Wiener Zeitung unter Berufung auf die Agentur Reuter meldet, ist der Redakteur des chinesischen Blattes Shih Hui Jip Pao, Lin Peh-hsuai, in den frühen Morgenstunden hingerichtet worden.[1][2]

Nach übereinstimmenden Berichten war der Journalist erst am Vorabend von der örtlichen Gendarmerie in Peking verhaftet worden.[3][1] Bereits um fünf Uhr morgens vollstreckte ein Exekutionskommando das offenbar rasch erlassene Todesurteil durch Erschießen.[3][2] Aus dem Hong Kong Telegraph geht hervor, dass der Anlass für diese Maßnahme ein Artikel war, der sich kritisch mit der Zivil- und Militärverwaltung auseinandersetzte.[2] Die sofortige Exekution wurde angeordnet, weil der Redakteur einen Text verfasst hatte, der als verleumderisch gegenüber dem mächtigen Gouverneur der Provinz Schantung, Tschangtsungtschang (Zhang Zongchang), eingestuft wurde.[1][2]

Der Gouverneur, der den militärischen Rang eines Tupan innehat, hält sich derzeit persönlich in Peking auf.[1][2] Nach Angaben der spanischen Tageszeitung El Sol wertete das Umfeld des Machthabers die Veröffentlichung als schwere persönliche Beleidigung.[3] In der von Rivalitäten und militaristischen Strukturen geprägten Atmosphäre der Hauptstadt führte dies zum schnellen und entschlossenen Eingreifen der Militärbehörden.[3] Das Vorgehen gegen die Redaktion des Shih Hui Jip Pao verdeutlicht das Fehlen eines effektiven Rechtsschutzes sowie die Lebensgefahr, der missliebige Publizisten unter der Herrschaft der nordchinesischen Kriegsherren ausgesetzt sind.[2]