Vor dem örtlichen Marinegericht in Hongkong hat sich in diesen Tagen ein Fall maritimer Disziplinlosigkeit abgespielt, der ein bezeichnendes Licht auf die oft rauen Arbeitsbedingungen in der internationalen Überseeschifffahrt wirft. Wie der Hong Kong Telegraph in seiner neuesten Ausgabe meldet, müssen sich neun Heizer des Frachtdampfers City of Corinth wegen fortgesetzter vorsätzlicher Missachtung gesetzmäßiger Befehle ihres Kapitäns verantworten.[1] Die anhaltenden Unruhen unter der Mannschaft, die schließlich im Hafen von Manila zu ernsten Verwicklungen und dem Einschreiten der Behörden führten, nahmen ihren Anfang bereits am 23. Juni während der Überfahrt im Nordatlantik. Damals kreuzte das Schiff unweit von Gibraltar.[1]

Der Kapitän des Schiffes, Gerald J. D. Burton, sagte im Zeugenstand vor Gericht aus, dass die unzufriedenen Besatzungsmitglieder an jenem Tag eine Abordnung zu ihm auf die Brücke entsandten.[1] Nach Angaben der China Mail beschwerten sich die Männer energisch darüber, dass sie an den Kohlekesseln im Maschinenraum unnötig zur Eile angetrieben würden.[2] Sie argumentierten, dass es keinen vernünftigen Grund gebe, den Dampfer mit Höchstgeschwindigkeit fahren zu lassen, da er auf dieser Fahrt weder Passagiere noch eilige Postladungen befördere.[1][2]

Die zuständige Schifffahrtsgesellschaft Bank Line drängt dennoch auf eine strenge Bestrafung, weil ihr durch den Vorfall erhebliche finanzielle Unannehmlichkeiten entstanden seien. Der Anwalt der Anklagebehörde, L. R. Andrews, beantragte deshalb, die vorliegende Klageschrift um zwei weitere Punkte zu ergänzen, um für die Männer eine abschreckende Wirkung zu erzielen.[1] Der Vorsitzende Richter hingegen äußerte erhebliche Zweifel an der tatsächlichen Schwere der zur Last gelegten Tat. Dem Hong Kong Telegraph zufolge betonte er in seiner Stellungnahme, dass er in diesem speziellen Fall keine Strafe von mehr als drei Monaten verhängen werde. Nach seiner Ansicht handele es sich lediglich um ein formelles, technisches Vergehen.[1] Im zivilen Leben, so der Magistrat, würde ein vergleichbares Vorgehen der Arbeiter weder als strafrechtliches Vergehen noch als Verstoß gegen die allgemeinen moralischen Grundsätze gewertet werden.[1] Wie aus ergänzenden Berichten der China Mail hervorgeht, ordnete das Gericht zudem an, dass sämtliche etwaigen ausstehenden Löhne der Angeklagten für deren Lebensunterhalt während der Haftstrafe und der verbleibende Restbetrag zur späteren Rückführung in die Heimat zu verwenden seien.[2]