Helgoland begeht in diesen Tagen mit beispiellosem Aufwand das hundertjährige Jubiläum seines Bestehens als Seebad.[1] Tausende von Festgästen strömten bereits am Wochenende auf die Insel in der Nordsee. Die Schiffe vermochten die anreisenden Menschenmengen kaum aufzunehmen.[1] Den Auftakt der historischen Tage bildete ein Festgottesdienst unter der Leitung von Pastor Böttger, bei dem hoch oben am Felseneck die Flagge des Deutschen Reiches wehte.[1]

Der gestrige Hauptfesttag begann nach einem morgendlichen Wecken mit der feierlichen Einweihung eines neuen Denkmals auf dem Museumsplatz.[1] Wie das Harburger Tageblatt ausführlich schildert, gilt das Gedenken dem Inselsohn Jakob Andresen Siemens.[1] Der Vorsitzende des Denkmalkomitees, Kaufmann Erich Friedrichs, erinnerte in seiner Ansprache an den 1794 geborenen Schiffbauer. Dieser begründete 1826 gegen vielfache Widerstände das Seebad als Gewerbe für alle Helgoländer.[1] Aus Verbitterung über mangelnde Unterstützung gab Siemens später auf und verstarb 1849 während eines Kampfes um seine Rechte an der Cholera in London.[1] Das von dem Helgoländer Wilhelm Jürgens entworfene Granitdenkmal, das einen lebensgroßen Fischer auf dem Ausguck zeigt, wurde anschließend von Bürgermeister Quosieg im Namen der Landgemeinde übernommen.[1]

Das offizielle Festessen am Abend im Kurhaus vereinte etwa dreihundert Personen. Unter den Anwesenden befanden sich prominente Vertreter der Reichs- und Staatsregierung sowie der großen Schifffahrtslinien.[1] Bürgermeister Quosieg betonte in seiner Rede, dass die Feiertage absichtlich auf den 9. und 10. August gelegt wurden — eben jene Tage, an denen Helgoland im Jahre 1890 von England an das Deutsche Reich übergeben worden war.[1] Sowohl Regierungsrat Romig für Preußen als auch Regierungsrat Rümekorf für das Reich sicherten der Inselregierung die weitere Unterstützung der Behörden zu.[1]

Die festliche Veranstaltung, zu der Hunderte von Depeschen eingingen — darunter ein persönlicher Glückwunsch von Außenminister Dr. Stresemann —, gipfelte in einer praktischen Maßnahme.[1] Zur Unterstützung älterer, bedürftiger Helgoländer wurde ein sogenannter Siemensfonds ins Leben gerufen. Damit soll das soziale Erbe des Badegründers auf lange Sicht bewahrt werden.[1]