Die vorübergehende Erholung des belgischen Frankens ist bereits wieder beendet, was die Regierung in Brüssel vor schwere finanzielle Herausforderungen stellt.[1] Um eine erneute drastische Inflation abzuwenden, erwägen zuständige Amtsstellen in aller Stille den Verkauf oder die Rückgabe von Territorien, um die Staatskassen rasch zu sanieren.[1] Als Tauschobjekte gelten insbesondere die ehemals preußischen Kreise Eupen, Malmedy und St. Vith; auch das derzeit unter belgischem Völkerbundmandat stehende Gebiet in Ostafrika wird in Betracht gezogen.[1]

In der belgischen Öffentlichkeit wird das Thema einer Rückerstattung der europäischen Gebiete eifrig debattiert.[2] Führende katholische und liberale Blätter befürworten eine Rückgabe, knüpfen diese jedoch an eine harte finanzielle Bedingung.[2] Es wird gefordert, dass die deutsche Regierung jene sechs Milliarden Papiermark zurücknimmt, die beim Waffenstillstand in Belgien im Umlauf waren und von Brüssel zum Vorkriegswert aufgekauft wurden.[1][2] Lediglich die extrem nationalistische Nation Belge lehnt den Vorschlag ab und bezeichnet ihn unumwunden als „deutsche Prellerei“.[2]

Aufseiten der Sozialisten fordert Unterrichtsminister Huysmans hingegen eine bedingungslose Rückgabe. Er argumentiert, die letzten Wahlen hätten die urdeutsche Gesinnung der dortigen Bevölkerung bewiesen.[1] Der sozialistische Abgeordnete Somerhausen verlangt eine bezirksweise Urabstimmung. Nach seiner Auffassung sollte diese, im Sinne der Vereinbarungen von Locarno, in engem zeitlichen Zusammenhang mit einer Lösung der Währungsfrage durchgeführt werden.[2] Obwohl die liberale Gazette auf sofortige Verhandlungen mit Berlin drängt, hat die Belgische Telegrafen-Agentur Meldungen über eine unmittelbar bevorstehende Einigung offiziell dementiert.[1][3] Aus innerpolitischen Gründen wird ohnehin erwartet, dass das Kabinett erst nach den Gemeindewahlen im Oktober eine endgültige Entscheidung trifft.[1]