Die Verhandlungen über das internationale Eisenkartell stehen unmittelbar vor einem erfolgreichen Abschluss. Wie die Neue Freie Presse in einem Drahtbericht meldet, haben sich die beteiligten Länder auf eine Vertragsdauer von fünf Jahren geeinigt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann jedoch zum 1. Oktober 1929 eine vorzeitige Kündigung ausgesprochen werden.[1] Das zentrale Büro des neuen Verbandes soll nach Düsseldorf verlegt werden.[1]
Das Abkommen sieht eine strikte Kontingentierung vor. Für jede Tonne erzeugten Rohstahls muss das jeweilige Land einen Dollar an eine gemeinsame Kasse abführen.[1] Die Einhaltung der Quoten wird durch strenge finanzielle Regelungen gesichert: Bei einer Überschreitung der zugestandenen Produktion ist eine Strafe von vier Dollar zu zahlen, während für die Nichterreichung eine Entschädigung von zwei Dollar vorgesehen ist.[1] Sobald der Vertrag zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg formell besiegelt ist, sollen Verhandlungen mit der polnischen sowie der tschechoslowakischen Industrie beginnen.[1]
Auf einer Industriebesprechung in Paris erläuterten die französischen Delegierten ihre zwingenden wirtschaftlichen Motive. Frankreich produziert gegenwärtig zwölf Millionen Tonnen Roheisen, verbraucht im eigenen Land aber lediglich fünf Millionen Tonnen.[1] Ein Abkommen über die Ausfuhr aus Lothringen und dem Saargebiet nach Deutschland erscheint daher unerlässlich.[1] Nach Berichten des Figaro verfolgt die Konferenz vor allem das Ziel, die Produktion in Europa zu regulieren und unnötige Konkurrenz auszuschalten, um eine angemessene Verteilung der Güter in den Abnehmerländern sicherzustellen.[2] Die Errichtung internationaler Verkaufskartelle in den Ländern, die selbst kein Eisen produzieren, wird in Paris als nächste Stufe betrachtet.[1] Die französischen Delegierten bezeichneten dies bereits als eine erste Etappe zur wirtschaftlichen Einigung Europas.[1]
In der deutschen Wirtschaft äußern sich jedoch auch kritische Stimmen. Der Westfälische Merkur warnt eindringlich vor einer vollständigen Monopolisierung der deutschen Eisenindustrie und den dadurch entstehenden Gefahren für die Preisgestaltung.[3] Da durch den Eisenpakt jede Konkurrenzbefürchtung entfalle und eine preisbeeinflussende Auslandseinfuhr weitgehend ausgeschlossen werde, liege in dieser Machtzusammenballung eine große Gefahr einer ungesunden Preisbeherrschung des Marktes.[3] Es wird befürchtet, dass die Kartelle von ihrer Vormachtstellung rücksichtslos Gebrauch machen könnten.[3] Während amerikanische Unternehmer entschieden gegen Monopole vorgehen und auch England seine freie Preisgestaltung bewahrt, schließen sich die festländischen Staaten in einem mächtigen Verbund zusammen — ein Abkommen, das den europäischen Markt auf Jahre hinaus dominieren dürfte.[3]