Im zähen Ringen mit den aufständischen Drusen in Syrien unternimmt die französische Militärführung offenbar einen neuen Vorstoß auf diplomatischem Wege. Wie das Berliner Tageblatt meldet, hat der Kommandant der französischen Truppen im Mandatsgebiet, General André, dem Rebellenführer Sultan Atrasch (Sultan al-Atrasch) eine persönliche Unterredung vorgeschlagen.[1] Ziel dieser Zusammenkunft ist es, die Friedensbedingungen erneut von Grund auf zu besprechen.[1] In gut unterrichteten arabischen Kreisen in Haifa wird dieser Schritt als letzter Versuch gewertet, eine friedliche Verständigung mit den Aufständischen zu erzielen, bevor das Militär eine neue umfassende Offensive eröffnet.[1] Der Umstand, dass eine militärische Lösung bereits intensiv vorbereitet wird, wird durch das Eintreffen größerer Verstärkungen belegt. Diese wurden aus Frankreich und Marokko nach Syrien verlegt.[1] Unter den Verstärkungen befinden sich, wie berichtet wird, auch zahlreiche Flugzeuggeschwader, die bereits im marokkanischen Rif-Krieg mit großem Erfolg eingesetzt worden waren.[1]
Währenddessen hat die französische Armee in der Region mit unerwarteten disziplinarischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Einer in Haifa erscheinenden arabischen Zeitung zufolge sind hundert Mann eines Bataillons der Fremdenlegion, das in Suweida stationiert war, zu den Drusen übergelaufen.[1] Die Deserteure gaben ihre Waffen direkt an die Aufständischen ab und schlossen sich deren Reihen an.[1] Als Ursache für diese Gehorsamsverweigerung werden eine andauernd schlechte Verpflegung sowie unzureichende sanitäre Verhältnisse in der dortigen Garnison genannt.[1] Die betroffenen Soldaten sind inzwischen interniert und sollen in Kürze nach Palästina abgeschoben werden.[1] Die anhaltenden Spannungen in der Levante machen sich auch in Paris bemerkbar. Erst kürzlich lenkte der Politiker André Berthon die Aufmerksamkeit auf das Regime der militärischen Besatzung in Syrien und machte es zum Gegenstand einer parlamentarischen Erörterung.[2]
Zu der angespannten militärischen Lage kommt derzeit eine rasch zunehmende Wirtschaftskrise in den levantinischen Städten. Einem telegrafischen Bericht aus Beirut zufolge hat der drastische Sturz des französischen Franc schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte Wirtschaftsleben des Mandatsgebiets.[1] Das ägyptische Pfund ist in kurzer Zeit von sieben auf zwölf syrische Pfund gestiegen.[1] Hierdurch verteuerten sich sämtliche Lebenshaltungskosten erheblich.[1] Der Handel stockt infolge der unsicheren Währungssituation nahezu völlig, während die Zahl der Konkurse mit jedem Tag zunimmt.[1]
Die Preissteigerungen haben die ohnehin knappen Löhne der städtischen Arbeiterschaft entwertet. Dies führt nun zu ausgedehnten sozialen Protesten.[1] Zunächst legten die Straßenbahner in Beirut aus Unmut über die geringe Bezahlung die Arbeit nieder.[1] Ihnen schlossen sich rasch die Arbeiter der übrigen Verkehrsbetriebe sowie die örtlichen Buchdrucker an.[1] Den Berichten zufolge weitet sich die Streikbewegung weiter aus und droht, das öffentliche Leben in der libanesischen Metropole weitgehend lahmzulegen.[1] Die französische Zivilverwaltung steht vor einem weiteren erheblichen Problem, das eine baldige Stabilisierung der Lage unwahrscheinlich macht.[1]