Drei Wochen sind vergangen, seit die Außenminister Finnlands, Estlands und Lettlands ihre inhaltlich nahezu übereinstimmenden Antworten auf das sowjetrussische Angebot für Nichtangriffsverträge in Moskau überreicht haben.[1] Die drei Staaten hatten damals vorgeschlagen, eine gemeinsame Kommission zur Vorbereitung der Verträge einzusetzen. Dieser Kommission sollten alle direkt beteiligten Länder angehören.[1]
Während die Sowjetregierung seither offiziell schweigt, übt die russische Presse scharfe Kritik an diesem Vorgehen.[1] Laut dem Hufvudstadsbladet greift insbesondere das Moskauer Regierungsblatt Iswestija die Antworten der baltischen Staaten sowie Finnlands heftig an.[1] In Moskau wird der Vorschlag einer gemeinsamen Vorbereitungskommission als Versuch gewertet, einen baltischen Staatenbund unter der Vorherrschaft Polens zu errichten, um ein Gegengewicht zur Sowjetunion zu schaffen.[1] Das Hufvudstadsbladet weist diese Vorwürfe jedoch entschieden zurück und betont, dass in Finnland keinerlei Bündnispläne mit Polen existieren.[1] Das Land will vielmehr seine volle außenpolitische Unabhängigkeit bewahren.[1] Die Bestrebungen Estlands, Lettlands und Litauens richten sich derzeit auf einen rein baltischen Dreistaatenbund. Diese Konstellation ist weder gegen Polen noch gegen die Räterepublik gerichtet.[1]
Trotz der verbalen Angriffe aus Moskau gehen die diplomatischen Bemühungen der nordosteuropäischen Staaten weiter.[1] Wie Helsingin Sanomat unter Berufung auf das Revaler Päevaleht meldet, ist in Kürze ein weiteres hochrangiges Treffen geplant.[2] Die Außenminister Finnlands, Polens und der baltischen Staaten werden demnach während der bevorstehenden Völkerbundversammlung in Genf zu einer gemeinsamen Konferenz zusammentreten, um ihre sicherheitspolitische Linie weiter abzustimmen.[2]