Der oberste Leiter der amerikanischen Prohibitionsbehörde, General Lincoln C. Andrews, ist von seiner diplomatischen Reise aus Großbritannien nach Washington zurückgekehrt und hat umgehend Gerüchte über seinen baldigen Rücktritt dementiert.[1] Nach Angaben des amerikanischen Evening Star erklärte Andrews in seinem Büro im Finanzministerium, er werde seine Arbeit fortsetzen, bis seine weitreichenden Pläne zur Neuorganisation der Prohibition in die Tat umgesetzt seien.[1] In London hatte der General zuvor ein Abkommen zur Unterbindung des Alkoholschmuggels ausgehandelt. Dieses bezeichnete er als äußerst zufriedenstellend für die Regierung der Vereinigten Staaten.[1]
Die Neustrukturierung der Prohibitionskräfte soll nun zügig vorangetrieben werden. Wie die Zeitung weiter berichtet, plant Andrews die Aufteilung des Landes in fünf neue Überwachungszonen.[1] Für den 15. September ist zudem eine Konferenz in Washington anberaumt. Daran sollen alle 24 regionalen Prohibitionsverwalter teilnehmen, um Personalfragen und neue Richtlinien zu erörtern.[1] Die zukünftige Strategie der Regierung richtet sich nicht mehr vorrangig gegen den einfachen Konsumenten. Vielmehr konzentriert sie sich strikt auf die Bekämpfung des organisierten Schmuggels und der Großverteiler.[1] Darüber hinaus drängt Andrews darauf, dass der Kongress ein Gesetz verabschiedet, mit dem im Finanzministerium zwei getrennte Abteilungen für Zoll und für Prohibition geschaffen werden sollen.[1]
Dass derart drastische Maßnahmen als dringend notwendig erachtet werden, beleuchtet die europäische Presse mit kritischem Blick. Die Neue Freie Presse konstatiert, der Alkoholschmuggel in Amerika habe mittlerweile „fantastische Formen“ angenommen.[2] Da reguläre Getränke fehlen, greife man zu verdorbenem Fusel oder gar Brennspiritus, was laut dem Wiener Blatt zu einer „wahren Volksgefahr“ geworden sei.[2] Europäische Beobachter mahnen aufklärende Maßnahmen an; stattdessen beschränke sich die amerikanische Regierung auf armselige Verbotsformeln, die lediglich dazu führen, dass das Gesetz im Verborgenen massenhaft umgangen werde.[2] General Andrews indes zeigt sich unerschütterlich entschlossen, das drakonische Programm mit verstärkten administrativen Mitteln zu erhalten. Er kündigte an, bis zur gesetzlichen Neuordnung im Amt zu verbleiben.[1]