Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) hat an die deutsche Arbeiterschaft appelliert, finanzielle Hilfe für die britischen Bergarbeiter zu leisten.[1] Wie das Hamburger Echo meldet, reagiert die Organisation damit auf die anhaltenden Versuche der britischen Regierung, durch wirtschaftlichen Druck die Streikenden zur Aufgabe zu zwingen.[1] Die Aufhebung der gesetzlichen Arbeitszeitbegrenzung im Bergbau zeigte nicht die erhoffte Wirkung. Nun wurden zudem die staatlichen Armenhilfe-Unterstützungen für Frauen und Kinder der Bergleute massiv gekürzt.[1] Angesichts dieser Notlage ruft der ADGB dazu auf, trotz der eigenen angespannten wirtschaftlichen Lage Solidaritätsbeiträge an die Bundeskasse abzuführen. Diese sollen dem Internationalen Gewerkschaftsbund zur Weiterleitung zur Verfügung gestellt werden.[1]

Unterdessen übt die sowjetische Führung scharfe Kritik an der internationalen und britischen Gewerkschaftspolitik.[2] Nach Berichten der Prawda werfen russische Gewerkschaftskreise dem Amsterdamer Internationalen Gewerkschaftsbund sowie Vertretern des britischen Generalrats vor, durch "Sabotage" und mangelnde Entschlossenheit den Kampf zu gefährden.[2] Ein wirklich solidarisches Vorgehen fehle, weswegen die englischen Arbeiter im Stich gelassen würden.[2]

Es mehren sich die Anzeichen für einen baldigen Zusammenbruch des britischen Arbeitskampfes, der bereits seit 15 Wochen andauert.[3] Dem Temps zufolge haben fast 30.000 Bergleute die Arbeit wieder aufgenommen.[3] In Nottinghamshire und Derbyshire laufen Verhandlungen über eine Rückkehr in die Schächte auf der Grundlage eines Arbeitstages von siebeneinhalb Stunden.[4] In Südwales wurde bereits ein Abkommen für den Achtstundentag unterzeichnet.[3] Während der Sekretär der Bergarbeiterföderation, Arthur James Cook, in der Verbandszeitschrift The Miner eindringlich zur Geschlossenheit mahnt, wächst im britischen Gewerkschaftslager die Bestürzung.[4][3] Aus dem Harburger Tageblatt geht hervor, dass der Führer des Seemannsverbandes, Havelock Wilson, das Handeln der Arbeiterorganisationen scharf verurteilte. Fast jede Gewerkschaft sei nach den jüngsten Streiks bankrott, weshalb nun dringend ein besseres Einvernehmen mit den Unternehmern gefunden werden müsse.[4]