Die Stadt Frankfurt feierte an diesem Wochenende unter gewaltiger Anteilnahme der Bevölkerung die Einweihung ihrer neuen Mainbrücke.[1][2] Dem historischen Werk, das an die Stelle der alten Verbindung zwischen dem Norden und Süden tritt, ging eine schicksalsreiche Bauzeit voraus.[2] Bereits im Jahre 1912 wurde der Grundstein gelegt, jedoch brachten der Krieg und die spätere Geldentwertung das Projekt wiederholt ins Stocken.[2] Die Baukosten stiegen schließlich auf rund vier Millionen Mark — wovon der preußische Staat nahezu die Hälfte übernahm.[1] Erst eine große Lotterie des Frankfurter Brückenbauvereins brachte den nötigen finanziellen Impuls, sodass das stolze Bauwerk aus rotem Sandstein vollendet werden konnte.[2]
Die Feierlichkeiten begannen am Samstagabend mit einem großen Wasserfest.[2] Schifferstechen, ein Lampionkorso sowie eine prachtvolle Beleuchtung des Domes und der Dreikönigskirche boten den zehntausenden Zuschauern am Ufer ein farbenfrohes Schauspiel.[1] Am Sonntagvormittag fand die offizielle Schlusssteinlegung bei strahlendem Sonnenschein statt.[1] Stadtbaurat Schulz verlas die Einweihungsurkunde. Anschließend wurde diese Urkunde gemeinsam mit weiteren Erinnerungsstücken im Schlussstein vermauert.[1]
Wie die Kölnische Zeitung meldet, fanden sich zahlreiche Ehrengäste aus dem Reich und den Ländern ein, darunter Reichsverkehrsminister Krohne und der preußische Innenminister Severing.[2] In seiner Weiherede betonte Oberbürgermeister Landmann, dass die Brücke stets ein Symbol für die enge Verbundenheit zwischen Nord und Süd gewesen sei.[3] Nachdem das Brückenband zerschnitten worden war, begegneten sich auf der Mitte des Bauwerks die Abordnungen der nord- und süddeutschen Länder; dabei wurde feierlich die Reichsfahne gehisst.[1][2]
Dem Vorwärts zufolge schloss sich ein historischer Festzug auf dem Main an, bei dem 62 Schiffe ein buntbewegtes Bild boten.[2][3] Als das Festschiff der Stadt die Brückenbögen passierte, ließ man tausend Brieftauben aufsteigen.[2] Den Abschluss des Tages bildete ein Festessen im Römer. Dort erklärte Innenminister Severing, dass Frankfurt trotz allen partikularen Strebens das Herz eines geeinten und einigen Deutschlands bilden werde.[2]