Die groß angelegte Saarkundgebung in Köln hat sich durch das offensichtliche Versagen der Festleitung in eine gegen die Weimarer Verfassung gerichtete Demonstration verwandelt.[1] Wie das Berliner Tageblatt berichtet, drängten sich rechtsradikale Verbände in den Vordergrund und nutzten die nationale Grenzlandbewegung rücksichtslos für ihre parteipolitischen Zwecke aus.[1]

Der Eklat entzündete sich an der Flaggenfrage. In den Vorbesprechungen forderten die christlichen Gewerkschaften, dass an der Spitze des Festzuges die schwarz-rot-goldene Reichsflagge getragen werden müsse. Die zuständige Festleitung lehnte dies jedoch entschieden ab.[1] Ein Sprecher der nationalistischen Verbände drohte zuvor, man könne für einen friedlichen Ablauf nicht garantieren, falls die Verfassungsfarben vorangetragen würden.[1] Daraufhin sagten nicht nur die christlichen Gewerkschaften und das Reichsbanner ihre Teilnahme ab, sondern auch der Reichsverband der Rheinländer.[1] Dem Berliner Tageblatt zufolge blieben am Ausgangspunkt des Zuges die Schilder von nicht weniger als zwanzig Vereinigungen ungenutzt zurück.[1] Selbst die regionalen Wandervereine, darunter der Eifelverein und der Westerwaldverein, boykottierten die Veranstaltung, da sie durch den starken völkischen Einfluss Nachteile für ihre Ortsgruppen im besetzten Gebiet befürchteten.[1]

Infolgedessen bestanden drei Fünftel des Zuges aus völkischen Verbänden wie dem Stahlhelm, dem Werwolf und dem Tannenbergbund. Diese stellten fast ausnahmslos Hakenkreuzfahnen zur Schau.[1] Musikkapellen spielten unentwegt provozierende Kampflieder, während die Leitung den offenen Verkauf antisemitischer Publikationen wie der Standarte duldete.[1] Die Kölner Festleitung ignorierte Warnungen, obgleich diese Zeitungen laut Berichten der Hauptstadtpresse eine unerträgliche „Verherrlichung der Meuchelmörder“ betrieben.[1] Die rheinische Bevölkerung reagierte auf das Geschehen mit kühler Ablehnung und verzichtete fast gänzlich auf Flaggenschmuck an den Häusern.[1]

Eine rühmliche Ausnahme bildete der Bund der Saarvereine selbst, dessen Geschäftsführer die Forderungen der Gewerkschaftsseite im Nachhinein ausdrücklich unterstützte.[1] Entgegen den Anweisungen der widerspenstigen Organisatoren beschloss der Saarverein, eine schwarz-rot-goldene Fahne mitzuführen.[1] Außerdem waren sämtliche Festsäle der Saarvereine ausschließlich in den offiziellen Reichsfarben dekoriert. Dies betonte die republikanische Haltung der Saarvereine im Gegensatz zum Charakter der nationalistischen Straßenkundgebung.[1]