Die Unruhen in der zentralamerikanischen Republik Nicaragua haben sich in den vergangenen Tagen zu einer ausgewachsenen bewaffneten Erhebung ausgeweitet, die das gesamte Land in Mitleidenschaft zieht. Wie die Wiener Zeitung unter Berufung auf englische Presseberichte meldet, wurde die offene Revolution primär durch die Weigerung der amerikanischen Regierung ausgelöst, den Präsidenten Camoro (Emiliano Chamorro) offiziell anzuerkennen.[1] Ähnliches berichtet die China Mail, aus deren detaillierten Meldungen hervorgeht, dass der eigentliche Aufstand bereits in der Nacht des 17. August losbrach.[2] Die Lage im Lande präsentiert sich äußerst unübersichtlich; die Aufständischen haben zudem systematisch die Telegrafenleitungen durchschnitten und den gesamten Eisenbahnverkehr unterbrochen, um Truppenbewegungen zu erschweren.[3][1]

Die Rebellen operieren mit erheblicher Zerstörungskraft gegen die staatliche Infrastruktur. Sie schrecken dabei auch nicht vor Gewalttaten gegen ausländische oder wirtschaftlich bedeutende Betriebe zurück. Ein Truppenzug wurde auf der strategisch wichtigen Strecke zwischen der Hauptstadt Managua und dem wichtigsten Seehafen Corintho (Corinto) zum Entgleisen gebracht. Ein weiterer Zug nördlich von Managua wurde durch Dynamit in die Luft gesprengt.[4][2][1] Dem Hong Kong Telegraph zufolge gab es bei diesen Sprengstoffanschlägen auf die Eisenbahn keine Toten, jedoch wurden mehrere Soldaten verletzt.[4] Ein überraschender Überfall der Aufständischen auf eine der größten Zuckerrohrplantagen des Bezirks in San Antonio verlief wesentlich schwerer.[4] Die Angreifer töteten dort den stellvertretenden Direktor sowie mehrere Angestellte des ausgedehnten Gutsbetriebs.[4][2]

Die Zentralregierung in Managua versucht derweil, die Kontrolle über die unruhigen Provinzen mit militärischen Mitteln zurückzugewinnen. Dem Temps zufolge hat der amerikanische Geschäftsträger nach Washington telegrafiert, dass starke Truppenverbände nach Léon (León), Chinadega (Chinandega) und Corinto entsandt wurden, um die Revolte rasch niederzuschlagen.[3] Zunächst gelang es den vorrückenden Rebellen, verschiedene Städte einzunehmen und die örtlichen Behörden zu vertreiben.[2][1] Nach heftigen militärischen Gefechten konnten die regulären Regierungstruppen jedoch die Ortschaft Quezalgueque zurückerobern.[2][3]

Die Einnahme dieser Stadt war jedoch mit schweren Zerstörungen verbunden, die von großer Verbitterung zeugen. Bevor die revolutionären Kräfte Quezalgueque räumten, setzten sie Teile der Ortschaft in Brand.[4][2] Den Flammen fiel auch die größte Brennerei Nicaraguas zum Opfer.[2] Verschiedene Quellen berichten übereinstimmend, dass der Bürgermeister der Stadt sowie weitere Zivilisten von den flüchtenden Rebellen getötet wurden.[4][2] Während die Regierungstruppen nach Angaben der ostasiatischen Presse die Aufständischen in anderen Scharmützeln zurückdrängen konnten, belagern die verbliebenen Rebellenverbände bereits weitere Städte der Region.[4][2][3]