Die französische Regierung hat umfassende Maßnahmen ergriffen, um die Währung zu stabilisieren und die Lebenshaltungskosten zu senken. Wie der Pariser Figaro berichtet, sieht der Ministerrat in der Anpassung der nationalen Wirtschaft und in der strengen Begrenzung des Verbrauchs eine unerlässliche Voraussetzung für die finanzielle Erholung des Landes.[1] Ministerpräsident Poincaré verlangt von der Bevölkerung laut dem Evening Star eine „Zeit der Buße“, da ausländische Kredite wegen der ungelösten Schuldenabkommen mit Washington und London derzeit nicht erreichbar sind.[2]
Das nach der Ratssitzung veröffentlichte Kommuniqué, das das längste seiner Art ist, enthält einen detaillierten Plan für administrative und private Einschränkungen.[3] Neben tiefgreifenden Einsparungen in den Ministerien — deren rasche Umsetzung Albert Sarraut bereits den Präfekten zur Anweisung gegeben hat — steht vor allem die Kontrolle des Lebensmittelmarktes im Vordergrund.[1][2] Um die Weizeneinfuhr zu drosseln und Verschwendung zu verhindern, müssen Bäcker künftig altbackenes Brot zum Verkauf anbieten.[3][2] Dem Harburger Tageblatt zufolge richtet die Regierung ihr besonderes Augenmerk zudem auf den Verbrauch in den Restaurants.[3] Da üppige Mahlzeiten laut offizieller Einschätzung indirekt die Devisenkurse belasten, dürfen Gaststätten ab sofort nur Gerichte mit höchstens zwei Gängen servieren.[3][4]
Zur Erleichterung der Lebensmittelkontrolle sind die Kaufleute künftig verpflichtet, Preistabellen in ihren Schaufenstern anzubringen.[3] In Paris wird unter Leitung des Polizeipräfekten eine eigene Preisüberwachungskommission gebildet, der Vertreter der Geschäftswelt, der Konsumenten, kinderreicher Familien und ehemaliger Frontkämpfer angehören.[4] Diese Gremien sollen Preistreiberei und Spekulationen auf dem Lebensmittelmarkt energisch bekämpfen.[2] Außerdem werden für die Pariser Markthallen neue Notierungsvorschriften erlassen.[4] Der Abschluss des Regierungsprogramms ist die Ankündigung, der notleidenden Bevölkerung durch die Errichtung von Volksküchen unmittelbar zu helfen.[3][4] Der wirtschaftliche Druck auf das Kabinett bleibt unterdessen hoch, da der Franken auf dem Devisenmarkt zuletzt wieder Schwäche zeigte und der Dollar auf 35,65 stieg.[4]