Im Hinblick auf die im Herbst stattfindenden Neuwahlen zum sächsischen Landtag zeichnet sich eine drastische politische Polarisierung ab.[1] Wie der Vorwärts berichtet, stehen die Wahlen unter dem Vorzeichen einer Spaltung der Linken und einer Sammlung der Rechtsparteien.[1] Während auf der linken Seite die 23 Abgeordneten der sogenannten Alten Sozialdemokratischen Partei gegen die reguläre Sozialdemokratische Partei antreten, bündeln die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei, die Wirtschaftspartei und völkische Gruppierungen ihre Kräfte.[1] Sie vereinigen sich unter der Schirmherrschaft des Stahlhelms zu einer „nationalen Arbeitsgemeinschaft“.[1]

Die Formierung dieses Rechtsblocks verdeutlicht die innere Zerrissenheit der Deutschen Volkspartei.[1] Dem Vorwärts zufolge richteten die Wehrverbände unter Führung des Stahlhelms ein Ultimatum an die Volkspartei. Die Kernbedingung bestand in der absoluten Ablehnung jeder Kooperation mit der Sozialdemokratie.[1] Die Nationalliberale Correspondenz, das offizielle Sprachrohr der Reichs-Volkspartei, hatte eine Teilnahme an einem schwarz-weiß-roten Block noch schroff abgelehnt. Dies entsprach ganz der Linie der Reichsführung, eine zu starke Bindung an rechte Kräfte zu vermeiden.[1] Die sächsische Volkspartei jedoch, die den Deutschnationalen ohnehin nähersteht, schlägt einen anderen Kurs ein und bestätigt nun selbst, dass die Verhandlungen günstig verlaufen.[1]

Massive Unterstützung erfährt die Sammlungsbewegung aus bürgerlichen Wirtschaftskreisen. Nach Angaben der Deutschen Tageszeitung haben sowohl die Arbeitsgemeinschaft bürgerlicher Bezirksausschussmitglieder in der Kreishauptmannschaft Dresden als auch der Sächsische Landesbürgerrat weitreichende Aufrufe zur Bildung einer geschlossenen Front erlassen.[1] Anfängliche Zweifel an der Stabilität des Blocks sind offenbar ausgeräumt.[1] So erklärte der sächsische Landesvorsitzende der Wirtschaftspartei, Obermeister Kaiser, kürzlich auf einer öffentlichen Versammlung in Meißen unzweideutig, dass seine Partei dem Rechtsblock fest angehöre.[1] In der linken Presse gilt diese Einheitsfront als besorgniserregender Versuch, nach Braunschweiger Vorbild ein reaktionäres „Stahlhelmsachsen“ zu errichten.[1]