Die Frage der staatlichen Autonomie der südafrikanischen Union sorgt weiterhin für lebhafte politische Auseinandersetzungen. Innerhalb der Regierung in Pretoria mehren sich die Stimmen, die eine allmähliche Lösung aus den engeren Bindungen an das englische Mutterland befürworten. Das Hamburger Echo veröffentlicht hierzu bemerkenswerte Äußerungen, die Einblicke in die politische Strategie nationalistischer Kabinettsmitglieder gewähren.[1]

Wie ein Drahtbericht aus Johannesburg meldet, sah sich der südafrikanische Minister Beyers kürzlich mit scharfen Nachfragen zu seiner politischen Haltung konfrontiert.[1] Auf die Frage, wie er seine offene Befürwortung einer Lostrennung von England mit seinem geleisteten Ministereid in Einklang bringen könne, lieferte der Minister eine historische und staatsrechtliche Verteidigung.[1] Beyers erklärte dem Bericht zufolge, dass bereits seit achtzig Jahren die hervorragendsten britischen Staatsmänner das grundsätzliche Recht der Kolonien auf eine solche Lostrennung anerkannt hätten.[1] Folglich stehe sein politisches Ziel nicht im Widerspruch zu den Traditionen des britischen Imperiums.

Trotz dieser grundsätzlichen Haltung dämpfte der Minister jedoch die Erwartungen auf einen raschen Austritt aus dem Empire. Eine vollständige Lostrennung vom Britischen Reich komme vorerst nicht in Frage.[1] Als Voraussetzung für diesen Schritt nannte Beyers die innere Verschmelzung der europäischstämmigen Bevölkerung. Erst wenn die beiden weißen Nationen Südafrikas, die englische und die holländische, sich geeinigt hätten, könne ein gemeinsamer Austritt aus dem Verband des Reiches vollzogen werden.[1] Die Befürworter der südafrikanischen Unabhängigkeit wollen demnach zunächst die Spaltung zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen überwinden, die seit den Burenkriegen besteht.