Unter starkem Andrang begann am Montagvormittag die Verhandlung gegen den Vorsitzenden des sogenannten Reichsbankgläubiger-Verbandes.[1] Vor Beginn des Prozesses spielten sich in den Korridoren stürmische Szenen ab.[1] Hunderte von Mitgliedern der Aufwertungsverbände hatten sich vor dem Sitzungssaal postiert und begehrten lautstark Einlass.[1] Als der Justizwachtmeister die Sache aufrief, stürzten die Wartenden derart auf die Tür zu, dass der Saal im Nu überfüllt war.[1] Reichsbankpräsident Dr. Schacht musste durch einen Nebeneingang in den Raum gebracht werden.[1] Die Menge vor der Tür lärmte zeitweise so stark, dass im Saal das eigene Wort kaum zu verstehen war. Deshalb mussten sämtliche Zeugen vorübergehend im Beratungszimmer untergebracht werden.[1]

Gegenstand der Verhandlung sind Äußerungen, die der angeklagte Spielwarenfabrikant und Verlagsbuchhändler Gotthard Roll im April bei Propagandaversammlungen in Berlin getätigt haben soll.[2][1] Laut der Kölnischen Zeitung hatte Roll den Reichsbankpräsidenten als „den Henker der deutschen Volkswirtschaft“ und „reißenden Wolf“ bezeichnet.[2] Zudem soll er erklärt haben, die Reichsbank sei eine Filiale des internationalen Großkapitals und Schacht ihr Söldner; er sei kein Betrüger, sondern ein „Schwindler“.[2] Die Staatsanwaltschaft erhob daraufhin Anklage, der sich Dr. Schacht als Nebenkläger anschloss.[2]

Der Verteidiger Rolls bestritt in der Verhandlung, dass sein Mandant beleidigende Äußerungen gebraucht habe, und benannte dafür zwanzig Zeugen aus den Reihen des Bundes.[1] Während seiner Ausführungen kam es wiederholt zu Zwischenrufen aus dem Zuhörerraum, sodass der Vorsitzende energisch um Ruhe ersuchen musste.[1]

In seiner Zeugenaussage begründete Dr. Schacht sein Vorgehen gegen die Verbände.[1] Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung meldet, betonte er seinen Willen, dem Unfug ein Ende zu setzen. Es werde armen Menschen, die durch die Inflation ihr Geld verloren hätten, durch die Vorspiegelung einer Aufwertung der alten Tausendmarkscheine noch weiteres Geld entlockt.[1] Die Führer der Bewegung setzten sich teils aus Idealisten, teils aus berufsmäßigen Agitatoren zusammen.[1] So habe sich ein gewisser Winter gerühmt, sechshundert solcher Versammlungen abgehalten zu haben.[1] Dieses Treiben, so der Reichsbankpräsident abschließend, grenze fast an Volksbetrug.[1]