Die Offensive der südchinesischen Truppen im Tal des Jangtsekiang hat zu einschneidenden militärischen Erfolgen geführt. Laut der China Mail telegrafierte der Oberbefehlshaber der Nationalisten, Tschangkaischek (Chiang Kai-shek), an die Regierung in Kanton, dass seine Armeen bereits am 26. August Wutschang eingenommen und noch am selben Abend Hankau besetzt hätten.[1] Dieser Vorstoß der Kantonarmee zielt offenkundig darauf ab, den linken Flügel der Nationalisten zu entlasten. Dieser war zuvor bei Nankau und Kalgan zum Rückzug gezwungen worden.[2] Nach Berichten des Hong Kong Telegraph waren drei Divisionen der anti-nationalistischen Streitkräfte unter Führung von Wupeifu (Wu Peifu), die eigentlich Hankau verteidigen sollten, eilig abgezogen worden.[3] Sie räumten die Stadt, nachdem sie diese geplündert hatten. Dies geschah, als ihnen der Fall von Yochow und der rasche Vormarsch der Südarmee auf die Wuhan-Städte bekannt wurde.[1][3] In Kanton feiert die gesamte Bevölkerung diesen Sieg der nationalistischen Kräfte.[1]
Unterdessen versucht Marschall Wupeifu, die Verteidigungslinien am Jangtse neu zu organisieren. Das Hamburger Echo führt aus, dass sich der nordchinesische General bis vor Kurzem gemeinsam mit Tschangtsolin in Peking aufgehalten hat und durch politische Intrigen gegen seinen Verbündeten kostbare Zeit verlor.[2] Nunmehr ist er persönlich nach Hankau geeilt, um den Widerstand gegen die Kantonleute zu leiten.[2] Einer Reuter-Meldung aus Hankau zufolge bestand seine erste Maßnahme jedoch darin, ein Schreckensregiment gegen die linksstehenden Teile der Zivilbevölkerung zu errichten.[2] Militärisch scheint der Widerstand der Nordtruppen allerdings noch nicht gebrochen zu sein. Wie der Hong Kong Telegraph meldet, tobte am 27. August eine erbitterte Schlacht nahe Hsinning, etwa fünfzig Meilen von Wutschang entfernt.[3] Den Verbündeten des Nordens gelang es dort, die Linie vorerst zu halten und einen massiven Angriff der Nationalisten abzuwehren.[3][2]
Die Auseinandersetzungen offenbaren tiefgreifende strukturelle Unterschiede in den rivalisierenden Armeen. Dem Hong Kong Telegraph zufolge führt Tschangkaischek eine hervorragend gedrillte, von ausländischen Offizieren ausgebildete Truppe ins Feld. Diese wird zudem umfassend durch russische Berater unterstützt.[3] Seine Kriegskasse ist gut gefüllt, was einen deutlichen Kontrast zur Ausrüstung durchschnittlicher chinesischer Militärverbände bildet.[3] Dennoch ist die politische Lage im eigenen Lager angespannt. Der Kuomintang-Führer regiert faktisch als Diktator und hat sich potenzieller Konkurrenten durch eine strenge Politik — die Quelle spricht von einer Blut-und-Eisen-Methode — entledigt.[3] Die Abwesenheit der Hauptstreitkräfte führt in der Provinz Kwangtung bereits zu gravierenden inneren Unruhen. Anti-kommunistische Kräfte nutzen das Machtvakuum an der Heimatfront. So haben lokale Milizen unweit von Heungshan Streikposten der Kuomintang entwaffnet. Bauernverbände aus der Region wenden sich zudem dringend an die Parteizentrale und bitten um Hilfe.[3] Ungewiss ist, ob die weiße Kuomintang ihre Macht im Jangtse-Tal behaupten kann, da radikale kommunistische Prinzipien bei Studenten und der städtischen Bevölkerung dort deutlich weniger Anklang finden als im Süden Chinas.[3]