Die Schweizer Metropole steht in diesen Tagen ganz im Zeichen der internationalen Verständigung. Wie der Vorwärts meldet, wurde am gestrigen Montag der 25. Weltfriedenskongress mit einer feierlichen Eröffnungssitzung in der Victoria Hall eingeleitet.[1] Zahlreiche Vertreter der verschiedenen internationalen Verbände, die in Genf ihren ständigen Sitz haben, sowie Mitglieder des diplomatischen Korps wohnten dieser Zusammenkunft bei.[1] Auch Delegierte der Kantonal- und Gemeindebehörden von Genf waren anwesend und gaben dem bedeutsamen Ereignis einen würdigen Rahmen.[1]

Die offizielle Begrüßung der Delegierten aus aller Welt erfolgte durch eine Reihe prominenter Redner. Aus der Kölnischen Zeitung geht hervor, dass der Präsident des Genfer Stadtrats, Alexander Moriaud, und der Rektor der Genfer Universität, Professor Rappard, die öffentliche Sitzung mit eindringlichen Ansprachen eröffneten.[2] Der Präsident des Organisationskomitees, Louis Favre, wandte sich ebenfalls an die versammelten Friedensfreunde.[1] Den Reigen der Eröffnungsreden schloss schließlich der belgische Senator Henri La Fontaine ab. Er sprach in seiner Eigenschaft als Präsident der Union der Friedensgesellschaften und des Rates des Internationalen Friedensbüros.[1][2]

Besondere Beachtung fand die deutsche Präsenz auf dem Kongress. Das Reich war offiziell durch Generalkonsul Aschmann vertreten, der im Namen der Regierung an den Feierlichkeiten teilnahm.[2] Für eine bemerkenswerte Szene sorgte jedoch das Erscheinen von Reichstagspräsident Paul Löbe.[1][2] Zunächst weilte der Politiker als einfacher Beobachter im Publikum.[2] Als die Versammlung den deutschen Gast erkannte, wurde er lebhaft begrüßt und auf die Ehrentribüne eingeladen — eine Geste von hohem symbolischem Wert.[2]

Der Kongress tritt in einer überaus kritischen Phase der europäischen Diplomatie zusammen. Die zivilgesellschaftlichen Kräfte werben für eine geistige Abrüstung. Zugleich bereiten sich die Staatsmänner auf die bevorstehende Völkerbundversammlung vor, in der über die deutsche Aufnahme entschieden werden soll. Laut der Badischen Presse bleibt die Gesamtlage weiterhin angespannt. Die Völkerbundkrise vom vergangenen März wirkt noch immer nach.[3] Frankreich und England befürworten jedoch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbundrat.[3] Dem Vorwärts zufolge verhält sich der spanische Vertreter weiterhin äußerst zurückhaltend. Die Regierung in Madrid droht mit einem Austritt, falls ihr kein ständiger Ratssitz zugestanden wird.[1] Die herzliche Aufnahme der deutschen Vertreter auf dem Friedenskongress kann vor diesem Hintergrund als ermutigendes Zeichen für die anstehenden offiziellen Verhandlungen gelten.