Der Reichsarbeitsminister hat den durch den Schlichter Dr. Jötten gefällten Schiedsspruch für den Ruhrbergbau am heutigen Tage offiziell für verbindlich erklärt.[1] Damit gilt die drängende Lohnfrage im Revier für die nächste Zeit als geregelt.[1] Wie der Westfälische Merkur meldet, sind die letzten Einigungsverhandlungen im Reichsarbeitsministerium endgültig gescheitert, da die Vertreter der Zechen den Spruch entschieden ablehnten. Die Bergarbeiter hatten ihn bereits angenommen.[2][1] Bei der entscheidenden Sitzung legten die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer nochmals ihren Standpunkt zum strittigen Schiedsspruch dar und hoben dabei die wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkte besonders hervor.[2] Da am Verhandlungstisch keine gütliche Einigung erreicht wurde, beendete das Ministerium den Konflikt nun durch staatlichen Eingriff.[2][1]
Unterdessen stellen auch andere Berufsgruppen des Reviers neue tarifliche Forderungen auf. Nach Angaben des Hamburger Echos haben die Organisationen der kaufmännischen und technischen Bergbauangestellten beim Zechenverband die bis jetzt gültige Gehaltsordnung zum 30. September gekündigt.[3] Sie streben damit eine rasche Gehaltserhöhung an und fordern zusätzlich eine Revision des bestehenden Überzeit-Abkommens.[3]
Diese lohnpolitischen Auseinandersetzungen fallen in eine Phase, in der der deutsche Bergbau den britischen Arbeitskampf aufmerksam verfolgt. Der Vorwärts weist darauf hin, dass deutschnationale Blätter wie die Deutsche Tageszeitung den Zeitpunkt für deutsche Lohnerhöhungen unter Verweis auf nationale Interessen stark kritisieren.[4] Es wird argumentiert, dass der deutsche Bergbau mit einer scharfen Konkurrenz der englischen Kohle rechnen müsse, sobald der Streik der englischen Bergarbeiter mit deren Niederlage ende.[4] Dennoch sammeln die deutschen Arbeiter trotz eigener Notlage, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit weiterhin Solidaritätsbeiträge für die streikenden britischen Zechenarbeiter.[4]