Der Chefredakteur des zurzeit verbotenen Bundesorgans Der Stahlhelm, Friedrich Wilhelm Heinz, ist in Magdeburg verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis nach Gießen überführt worden.[1][2][3] Dem Publizisten wird die Anstiftung zu einem Fememord an dem ehemaligen Hauptmann Wagener zur Last gelegt.[1][3] Nach Angaben der Sächsischen Staatszeitung war das Mordopfer seinerzeit an der Befreiung des Kapitänleutnants Dittmar aus dem Naumburger Gefängnis beteiligt.[4]

Die belastenden Aussagen gegen Heinz stammen von einem in Nauheim inhaftierten Mann namens Schwing.[2] Heinz bestreitet die Vorwürfe entschieden und führt an, es handele sich um einen Vergeltungsversuch. Wie das Hamburger Echo meldet, habe der Redakteur seinen Ankläger in der Vergangenheit entlarvt. Dieser habe sich in rechtsgerichteten Kreisen fälschlich als Offizier ausgegeben.[2] Das Publikationsorgan Der Stahlhelm ist gegenwärtig wegen eines massiven Schmähartikels gegen die Weimarer Verfassung auf mehrere Monate behördlich gesperrt.[2]

Die Verhaftung wirft ein grelles Licht auf die internen Verschiebungen innerhalb des paramilitärischen Verbandes. Das Blatt unter Heinz’ Leitung hatte sich zuletzt zum Sprachrohr einer radikalen Strömung entwickelt. Dies gilt als Folge des schwindenden Einflusses des einstigen Führers, des Magdeburger Kaufmanns Seide. Seide wurde durch den früheren Oberst Düsterberg (Theodor Duesterberg) in Halle zunehmend in den Hintergrund gedrängt.[2] Linke Blätter vermuten zudem, dass der Inhaftierte mit jenem Freischarführer identisch ist, der im Ruhrkampf auf eigene Faust die sogenannte „Organisation Heinz“ befehligte. Bereits damals war dieser zeitweilig festgesetzt worden.[2]

Demgegenüber bemüht man sich in Stahlhelm-Kreisen um strikte Distanzierung. Laut dem Berliner Tageblatt wird dort hervorgehoben, dass das angebliche Verbrechen weit in der Vergangenheit liege.[1] Da Heinz dem Redaktionsverband erst seit wenigen Monaten angehöre, habe die gesamte Angelegenheit mit der Bundesleitung als solcher nichts zu schaffen.[1]