Gründlichen Vorarbeiten ist es gelungen, das Zustandekommen des Ersten Internationalen Kongresses für Sexualforschung in hervorragender Weise zu sichern.[1] Wie die Sächsische Staatszeitung berichtet, wird diese bedeutsame Zusammenkunft vom 10. bis zum 16. Oktober dieses Jahres in der Reichshauptstadt stattfinden.[1] Die feierliche Eröffnung ist für Sonntag, den 10. Oktober, um 11 Uhr vormittags in den repräsentativen Räumen des Reichstagsgebäudes angesetzt.[1] Den Vorsitz der Veranstaltung führt der Geheime Sanitätsrat Dr. Albert Moll, welcher die organisatorischen Aufgaben von seiner Geschäftsstelle am Kurfürstendamm aus wahrnimmt.[1]

Die Beteiligung aus dem In- und Ausland gestaltet sich nach gegenwärtigem Stand außerordentlich stark.[1] Zahlreiche Behörden und wissenschaftliche Vereine entsenden offizielle Vertretungen nach Berlin.[1] Da die Zahl der angemeldeten Vorträge, die fast ausnahmslos von führenden Gelehrten gehalten werden, beständig wächst, erwies es sich als notwendig, einen erheblichen Teil der Referate auf spezielle Sektionssitzungen zu verteilen.[1] Daneben ist eine große Anzahl gesellschaftlicher Veranstaltungen vorgesehen, um den internationalen Gedankenaustausch zu begünstigen.[1]

Das Programm umfasst alle maßgeblichen wissenschaftlichen Fragen der modernen Sexualforschung.[1] Es stehen unter anderem die Endokrinologie, die experimentelle Umwandlung des Geschlechts sowie die künstliche Erzeugung von Zwittern zur Diskussion.[1] Außerdem widmen sich herausragende Fachvertreter gesellschaftspolitisch und juristisch wichtigen Themen. Die Frage der Eugenik, die Prostitution, der Geburtenrückgang und die sexuelle Ethik werden ebenso behandelt wie Kriminalfragen, Probleme des Strafgesetzbuches und die Aussagepsychologie bei Sexualdelikten.[1] Ferner erstrecken sich die Erörterungen auf die Entwicklung in der Pubertät, auf Psychoanalyse und Individualpsychologie, die sexuelle Erziehung, Eheberatung sowie auf die vielfältigen Beziehungen des Sexuallebens zur Ethnologie, Mystik und zum Familienrecht.[1] Es steht außer Zweifel, dass die verschiedensten wissenschaftlichen Anschauungen bei diesem Kongress in lebhafter Diskussion aufeinandertreffen werden.[1]