Das russische Volkskommissariat für Volksaufklärung hat weitreichende Zensurmaßnahmen erlassen, die einem vollständigen Bann der hebräischen Sprache in der Sowjetunion gleichkommen.[1] Wie der Vorwärts meldet, wurde das Hebräische unter maßgeblichem Einfluss der jüdischen Abteilung des Kommissariats als „bourgeoise Sprache“ stigmatisiert.[1] Im scharfen ideologischen Gegensatz dazu wird das Jiddische nunmehr offiziell als die legitime Sprache der werktätigen Massen gefördert.[1]

Die neuen Verordnungen betreffen nicht allein den Gebrauch der Sprache. Vielmehr wurde der hebräische Druck im Inland vollständig untersagt und außerdem eine strikte Einfuhrsperre für sämtliche hebräischen Drucksachen und Bücher verhängt.[1] Bemerkenswert ist, dass der Inhalt oder der politische Gehalt der Schriften dabei keine Rolle spielt.[1] Dem sozialdemokratischen Blatt zufolge darf selbst die hebräische Übersetzung von Karl Marx’ Grundlagenwerk „Kapital“ die sowjetische Grenze ebenso wenig passieren wie die Schriften von Wladimir Schabotinski (Ze'ev Jabotinsky), die als faschistisch gelten.[1]

Die Maßnahmen Moskaus rufen bereits erste internationale Gegenreaktionen hervor.[1] Nach einem Bericht von Hill Gilland in der Literarischen Welt hat der Verband hebräischer Schriftsteller in Palästina inzwischen beschlossen, einen Sonderausschuss einzusetzen. Dieser Ausschuss soll sich eingehend mit dieser kulturpolitischen Angelegenheit befassen.[1] So entsteht ein Sprachenkonflikt, bei dem das Wiederaufleben einer historischen Sprache unmittelbar mit der sowjetischen Klassenpolitik aufeinandertrifft.[1]