Obwohl die Erschließung neuer Bauernsiedlungen dringend geboten ist, um den überfüllten Arbeitsmarkt der Großstädte zu entlasten, stockt die praktische Ausführung.[1] Die Richtlinien für die Kredite sind den Ländern zwar zugegangen; das notwendige Kapital bleibt jedoch aus.[1]

Dem Hamburger Echo zufolge wächst in den Ländern die Verstimmung über die Säumigkeit der Reichsbehörden.[1] Während der Reichstag für das laufende Jahr 50 Millionen Mark bewilligte, sollen bislang nur knapp 18 Millionen angewiesen worden sein.[1] Diese Zurückhaltung überrascht, denn die finanzielle Lage des Reiches würde weitere Ausgaben erlauben. Wie das Harburger Tageblatt meldet, bringt ein neues Abkommen mit dem Reparationsagenten der Reichskasse erhebliche Ersparnisse — allein 37,8 Millionen Goldmark im laufenden Etatjahr.[2] Reichsfinanzminister Dr. Reinhold erklärte hierzu, dass das Arbeitsbeschaffungsprogramm zum größten Teil finanziert sei und die günstige Kassenlage weitere Maßnahmen erleichtere.[2]

Dennoch droht in der ländlichen Siedlungsfrage wertvolle Zeit zu verstreichen. Jeder Tag des Abwartens treibt die Bodenpreise in die Höhe.[1] Preußen ist unterdessen vorangegangen und hat von einem 40-Millionen-Kredit bereits 10 Millionen für den Landankauf freigegeben.[1]

Ein weiteres Hindernis bilden großagrarische Kreise, die die Größe der neuen Stellen auf 10 bis 20 Morgen begrenzen wollen.[1] Für eine selbstständige landwirtschaftliche Existenz werden jedoch mindestens 50 Morgen veranschlagt.[1] Die Kosten für eine solche Stelle belaufen sich auf rund 22.500 Mark.[1] Nach Einschätzung von Sachverständigen müssten insgesamt 100.000 solcher Höfe geschaffen werden, um eine wirtschaftliche Entlastung herbeizuführen.[1]