Im französisch-türkischen Streit um den Zusammenstoß des Levante-Postdampfers „Lotus“ zeichnet sich eine diplomatische Lösung ab.[1] Zwischen der Regierung der Französischen Republik und dem Kabinett in Angora (Ankara) wurde vereinbart, den Konflikt in Kürze dem Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu unterbreiten.[1]

Der diplomatische Durchbruch gelang, nachdem Angora einem Schiedsverfahren zugestimmt hatte.[2] Nach Angaben des Hamburger Echo akzeptierte das Pariser Kabinett diesen Vorschlag jedoch nur unter der ausdrücklichen Bedingung, dass der festgehaltene französische Wachoffizier umgehend freigelassen werde.[2] Meldungen der spanischen Presse weisen darauf hin, dass die Freilassung des Leutnants Démons unmittelbar bevorsteht.[3]

Der umfangreiche völkerrechtliche Konflikt entbrannte an den Ereignissen der Nacht zum 2. August.[1] Die „Lotus“ hatte damals vier Seemeilen vor Mytilini — somit in griechischen Gewässern — den türkischen Kohlenfrachter „Bozkourd“ gerammt und zum Sinken gebracht.[1] Aus dem Madrider Sol geht hervor, dass Frankreich wiederholt energisch gegen die Festsetzung des Offiziers protestierte.[3] Dieser befand sich zur Unglückszeit auf der Brücke, weshalb die französische Regierung die Zuständigkeit der türkischen Gerichte ausdrücklich bestritt.[3]

Die französische Presse hebt hervor, der Leutnant sei nur in osmanische Gewässer eingelaufen, um die geretteten türkischen Seeleute an Land zu bringen.[1] Er habe sich in Konstantinopel (Istanbul) aus Rücksichtnahme den örtlichen Behörden gestellt und sei nach einem kurzen Verhör festgesetzt worden.[1] Sollte die Türkei weiterhin Schwierigkeiten verursachen, kündigt Paris laut El Sol strenge Maßnahmen an.[3] In diesem Fall würde die Republik eine beträchtliche Entschädigung für die geschädigte Reederei fordern.[3]