Japan besitzt inzwischen 1200 Lichtspielhäuser, was bei einer Bevölkerung von 75 Millionen bedeutet, dass auf 70.000 Einwohner ein Kino entfällt.[1] Die Zahl der monatlichen Lichtspielbesucher beläuft sich auf 40 bis 50 Millionen Personen, wobei die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern jährlich die enorme Höhe von 190 Millionen Yen erreichen.[1] Das Hamburger Echo hebt hervor, dass sich Japan damit als äußerst filmbegeistertes Land erweist — ganz im Gegensatz zu China, wo sich 400 Millionen Menschen mit lediglich 60 Kinos begnügen müssen.[1]
Die Lichtspieltheater öffnen ihre Pforten häufig schon um 10 Uhr vormittags und spielen bis tief in die Nacht.[1] Im Januar, dem klassischen japanischen Vergnügungsmonat, beginnt der Betrieb sogar bereits um 8 Uhr morgens.[1] Auf aufwendige Ausschmückung wird wenig Wert gelegt; die Theater sind zumeist primitiv ausgestattet.[1] Die Zuschauer sitzen auf einfachen Holzbänken oder lassen sich ganz nach japanischer Art auf Kissen nieder, die auf dem Fußboden liegen.[1]
Ein Kinobesuch ist in Japan eine Angelegenheit für die gesamte Familie, die sich im Lichtspielhaus regelrecht häuslich einrichtet.[1] Dort wird gefrühstückt, zu Abend gegessen und mitunter sogar das Mittagsschläfchen gehalten, während die Kinder lebhaft zwischen den Reihen spielen.[1] Die Vorführungen dauern entsprechend lang — oft vier bis fünf Stunden.[1] Früher umfassten die Programme bis zu 45 Akte. Ein kürzlicher Polizeierlass in Tokio hat diese Zahl auf höchstens 22 Akte begrenzt.[1]
Rund 80 Prozent der Filmeinfuhr stammt aus Amerika.[1] Die amerikanische Filmindustrie hat es offenbar am besten verstanden, sich auf die Eigenarten des Landes einzustellen.[1] Demgegenüber wacht die lokale Zensur streng über die Sitten: Kussszenen, Umarmungen und jede Form von Nacktheit werden unweigerlich aus den Streifen herausgeschnitten.[1]
Besonders eigentümlich mutet an, dass der japanische Film im Gegensatz zum europäischen keine Zwischentitel kennt.[1] Stattdessen übernimmt ein sogenannter „Ansager“ die Erklärung der Handlung, was landesweit rund 8000 Männern ein gutes Einkommen verschafft.[1] Diese Erklärer sind derart redegewandt, dass manche Kinos nur deshalb gut besucht sind, weil der Ansager das Publikum so trefflich zu unterhalten weiß.[1] Neben zahlreichen kleinen Unternehmungen widmen sich mittlerweile fünf große japanische Gesellschaften der Herstellung eigener klassischer und moderner Filme.[1]