Auf dem oberen Jangtse hat sich ein schwerer militärischer Zusammenstoß zwischen britischen Seestreitkräften und chinesischen Truppen ereignet, der zu erheblichen Verlusten geführt hat. Laut der China Mail kam es bei Wanhsien zu einem blutigen Gefecht, als britische Marineeinheiten versuchten, zwei beschlagnahmte Handelsdampfer zu befreien.[1] Die chinesischen Soldaten, die unter dem Befehl von General Jangsen — einem Unterführer des nordchinesischen Kriegsherrn Wupeisu (Wu Peifu) — standen, leisteten erbitterten Widerstand.[2][3]

Der Vorfall nahm bereits Ende August seinen Anfang. Dem Hong Kong Telegraph zufolge wurde der britische Dampfer Wanliu am 29. August bei Yungyang von bewaffneten chinesischen Soldaten geentert.[2] Während das Schiff manövrierte, um einem weiteren herannahenden Boot auszuweichen, kollidierten chinesische Sampans miteinander, woraufhin eines der Boote sank.[1][2] Die bereits an Bord der Wanliu befindlichen Soldaten hatten zwischenzeitlich den Komprador ergriffen und drohten, den Kapitän des Schiffes zu töten.[1] Die chinesischen Truppen wurden später in Wanhsien durch die Besatzung des britischen Kanonenbootes Cockchafer von Bord verwiesen.[1]

Als Vergeltungsmaßnahme für das gesunkene Boot ließ General Jangsen am 30. August die britischen Dampfer Wantung und Wanhsien beschlagnahmen.[2] Er setzte rund 300 Soldaten auf die Schiffe und ließ Artillerie am Ufer in Stellung bringen, um die britische Marine in Schach zu halten.[1][2] Wie die Los Angeles Times meldet, wurden die Offiziere der Schiffe festgesetzt, während chinesische Truppen die Kontrolle übernahmen.[4] Die beiden gekaperten Dampfer wurden direkt neben dem Kanonenboot Cockchafer verankert. Die chinesischen Truppen bezogen Deckung und richteten ihre Gewehre auf das britische Kriegsschiff, das zahlenmäßig unterlegen und de facto manövrierunfähig war.[2]

Die britische Seite bemühte sich zunächst um eine diplomatische Lösung. Der britische Konsul aus Chungking reiste an, um mit General Jangsen zu verhandeln.[1] Nach Berichten der Helsingin Sanomat schlug der Konsul vor, den Fall durch ein Schiedsgericht klären zu lassen und bis dahin eine Kaution zu hinterlegen.[3] Jangsen verweigerte jedoch jegliche Einigung und bestand darauf, dass die Reederei sofort Entschädigungszahlungen zu leisten habe, ohne dass die Fakten des Vorfalls gerichtlich geprüft würden.[1][2] Sogar eine direkte Nachricht an den Kriegsherrn Wupeisu in Hankau (Hankou) mit der Bitte, seinen Untergebenen zur Vernunft zu rufen, zeigte keine Wirkung.[1][2]

Nachdem die Verhandlungen in eine Sackgasse geraten waren, verschärfte sich die Situation. Am 5. September rückte ein britisches Marinekommando auf dem requirierten Dampfer Kiawo und dem Kanonenboot Widgeon an, um die Schiffe gewaltsam zu befreien.[1][2] Aus dem Hamburger Echo geht hervor, dass sich ein anderthalbstündiges, schweres Feuergefecht entwickelte. Dabei setzten die chinesischen Truppen Gewehre, Maschinengewehre und Feldartillerie ein.[5] Die britischen Schiffe erhielten zahlreiche Treffer über und unter der Wasserlinie und mussten sich schließlich zurückziehen, ohne die Handelsdampfer vollständig gesichert zu haben.[5]

Die britischen Verluste sind hoch. Laut der China Mail fielen sieben britische Offiziere und Matrosen, während zahlreiche weitere Männer Verwundungen erlitten.[1] Unter den Toten befinden sich der Kommandant der Despatch, Fregattenkapitän Darley, sowie die Leutnants Higgin und Ridge.[2]

Der Zwischenfall hatte sofortige politische Konsequenzen. Der chinesische Außenminister richtete ein Schreiben an den britischen Generalkonsul, in dem er sich energisch gegen die Landung britischer Truppen am Jangtse aussprach.[5] Er forderte die sofortige Zurückziehung der britischen Marineabteilungen.[5] Unterdessen geraten die übergeordneten Truppen von Wupeisu unter Druck. Wie spanische Korrespondenten der Zeitung El Sol berichten, haben kantonesische Truppen der Südregierung bereits die strategisch wichtigen Städte Wutschang (Wuchang) und Hankau am Jangtse umzingelt. Dies schwächt die allgemeine militärische Position der nördlichen Verbände erheblich.[6]