Am heutigen Vormittag entging der italienische Ministerpräsident Benito Mussolini nur knapp einem Anschlag auf sein Leben. Als der Regierungschef um etwa 9 Uhr seine Sommerwohnung verließ, um im Kraftwagen in das Außenministerium im Palazzo Chigi zu fahren, näherte sich ein junger Mann seinem Automobil und schleuderte eine Bombe auf das Fahrzeug.[1][2]

Wie die Deutsche Allgemeine Zeitung meldet, ereignete sich die Tat in unmittelbarer Nähe der Porta Pia.[2] Der Sprengkörper prallte jedoch an einem Wagenrad ab und detonierte erst danach.[2] Mussolini, der während des gesamten Vorfalls bemerkenswerte Ruhe bewahrte, blieb unverletzt.[2] Auch sein Fahrzeug zeigte nach der Explosion kaum Schäden.[1]

Die Detonation forderte unter den Umstehenden hingegen mehrere Opfer. Dem Vorwärts zufolge wurden durch die umherfliegenden Splitter ein Zeitungsverkäufer und ein Straßenarbeiter verletzt.[1] Andere Meldungen sprechen von insgesamt bis zu fünf Passanten, die teils schwer verwundet in eine Klinik gebracht werden mussten.[2] Besonders bemerkenswert ist, dass der verletzte Straßenarbeiter sich sofort auf den flüchtenden Attentäter stürzte und so dessen Festnahme ermöglichte.[1][2] Unmittelbar nach der Tat sammelte sich eine große Menschenmenge auf der Straße. Viele unter ihnen drohten, den Täter an Ort und Stelle zu lynchen.[1]

Über die Identität des Verhafteten liegen derzeit noch widersprüchliche Angaben vor. Einer Meldung aus Basel zufolge handelt es sich um einen fünfzehnjährigen toskanischen Steinhauer namens Hermes Giovannini, während andere Berichte den Täter als einen italienischen Anarchisten mit dem Namen Giovanni Erneti identifizieren.[2] Die unklare Nachrichtenlage besteht vor allem deshalb, weil die Regierung eine besonders strenge Pressezensur angeordnet hat.[2] Den italienischen Zeitungen ist es strengstens untersagt, andere als die offiziell zugelassenen amtlichen Mitteilungen über den Vorfall zu veröffentlichen.[2]

Die Nachricht von dem fehlgeschlagenen Attentat verbreitete sich rasch und wurde sogleich zum Hauptgesprächsthema in den Wandelgängen der Völkerbundversammlung in Genf.[1] Delegierte verschiedener Nationen sprachen der italienischen Vertretung sofort ihre Glückwünsche zur Errettung ihres Regierungschefs aus.[1] Allerdings wird das Ereignis in diplomatischen Kreisen auch mit Sorge betrachtet. Es wird befürchtet, dass die Vollversammlung nun kaum vermeiden kann, eine offizielle Sympathiekundgebung für Mussolini zu veranstalten.[1] Eine solche formelle Geste, so heißt es in Genfer Kreisen, könnte leicht zu Missdeutungen über die tatsächlichen Gefühle der Völkerbunddelegierten gegenüber dem faschistischen Diktator führen.[1]