Die beiden ersten Tage der Volksabstimmung zur Klärung des Verhältnisses zwischen dem Land und der Regierung haben einen überaus regen Zustrom zu den Abstimmungslokalen gezeitigt.[1] Man rechnet in politischen Kreisen mit einem sicheren Erfolg der Diktatur.[1] Allerdings handelt es sich bei diesem Plebiszit nicht um eine freie Willensäußerung im demokratischen Sinne, sondern vielmehr um eine staatlich gelenkte Manifestation. Die strengen Bestimmungen sehen ausdrücklich vor, dass ausschließlich Stimmen zugunsten der Regierung abgegeben werden dürfen — Gegenstimmen sind von vornherein nicht zugelassen.[2] Laut dem Hamburger Echo gleicht der gesamte Vorgang einer reinen Sammlung von Zustimmungserklärungen.[3]

Eine historische Neuerung ist die Rolle der Frauen, die zum ersten Mal in der spanischen Geschichte an die Urnen treten dürfen. Nach Angaben der Behörden nutzen viele Frauen diese Gelegenheit rege.[2] In der Hauptstadt und der Provinz Madrid verzeichneten die Behörden bereits am Sonntagmorgen knapp 50.000 Vertrauensstimmen für die Administration des Generals Primo de Rivera.[2] Etwa 45 Prozent der Abstimmenden seien weiblich. Zudem wirken Frauen in den Wahlausschüssen mit.[2] Insbesondere die Beamtenschaft sowie der Lehrkörper der Madrider Universität sind zahlreich vertreten.[2][1] Auch in fernen Gebieten wird abgestimmt: Die Los Angeles Times meldet aus Manila, dass unter den etwa 4000 in den Philippinen ansässigen Spaniern mit einer überwältigenden Zustimmung gerechnet wird.[2] Die Behörden geben sich hinsichtlich der endgültigen Zahlen sehr optimistisch und betonen, dass bisher keine nennenswerten Zwischenfälle gemeldet wurden.[2]

Trotz der offiziellen Jubelmeldungen gibt es vermehrt Berichte über massiven Druck auf die Bevölkerung. Die sogenannte Patriotische Union, unter deren Leitung das Plebiszit steht, setzt Schlepperkolonnen ein, um säumige oder gleichgültige Bürger an die Urnen zu führen.[2] In großen Betrieben wurden Arbeiter und Angestellte bei Arbeitsantritt nachdrücklich aufgefordert, vorbereitete Listen zu unterzeichnen.[3] Auch die Kirche nimmt aktiv Einfluss auf das Geschehen: Der Klerus forderte die Gläubigen von den Kanzeln auf, das Manifest der Patriotischen Union zu unterschreiben. Dies kommt einer Aufforderung zur Stimmabgabe für Primo de Rivera gleich.[3][4] Aus der Provinz wird gemeldet, dass bereits 4000 Gemeinden die Unterschriftensammlung vollständig abgeschlossen haben.[3]

Wer sich der gelenkten Abstimmung verweigert oder zur Enthaltung aufruft, muss mit drastischen Strafen rechnen. Aus dem Berliner Tageblatt geht hervor, dass die Polizei in Barcelona zahlreiche Personen verhaftet hat, welche öffentlich für eine Stimmenthaltung eintraten.[4] Die Festgenommenen wurden mit einer Geldstrafe von je 500 Peseten belegt.[3][4]

Während das spanische Volk unter diesen Bedingungen an die Urnen geführt wird, regt sich im Ausland verbaler Widerstand. Der bekannte Schriftsteller Blasco Ibanez (Vicente Blasco Ibáñez) richtete aus dem südfranzösischen Menton ein Protesttelegramm an den Präsidenten der Völkerbundversammlung in Genf.[4] Darin erklärt er, dass er im Ausland die öffentliche Meinung vertrete, da Spanien aufgrund der Zensur seine wahre Haltung nicht bekunden könne.[4] Sobald die Diktatur durch die Anstrengungen des Volkes beseitigt sei, werde es die erste Sorge des neuen Spaniens sein, seinen Platz in Genf wieder einzunehmen, um am Friedenswerk des Völkerbundes mitzuwirken.[4]