Nach zehntägiger Dauer fand in den weitläufigen Räumen der Internationalen Ausstellung für Binnenschifffahrt und Wasserkraftnutzung die erste Sondertagung der Weltkraftkonferenz ihren erfolgreichen Abschluss.[1] Die internationale Vereinigung, die im Sommer 1924 in London ins Leben gerufen wurde, versammelte zwischen dem 31. August und dem 10. September mehr als fünfhundert Abgesandte aus 48 Staaten Europas, Amerikas und Asiens.[1][2] Wie die Helsingin Sanomat meldet, stand das Schweizerische Nationalkomitee unter der Leitung von Dr. Ed. Tissot. Es zeichnete für die reibungslose und mustergültige Organisation der Zusammenkunft verantwortlich.[2]

Den Schwerpunkt der Beratungen bildeten die Grenzgebiete zwischen Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft.[1] Die 42 vorliegenden und in fünf Hauptberichten zusammengefassten Referate befassten sich intensiv mit dem Kostenvergleich zwischen elektrischem Strom aus Wasserkraft und solchem aus Wärmeerzeugung.[1] Nach Angaben der Deutschen Allgemeinen Zeitung diskutierten die versammelten Experten zudem ausführlich die Elektrifizierung von Eisenbahnen und Landwirtschaft sowie die wachsenden Möglichkeiten eines Stromaustausches über die jeweiligen Landesgrenzen hinweg.[1] Deutschland war bei dieser Heerschau der Technik mit über einhundert führenden Köpfen aus Industrie, Verkehrswesen und Wissenschaft stark vertreten.[1] Neben zahlreichen Ministerialbeamten entsandte auch die Deutsche Reichsbahn mehrere Direktoren an den Rhein.[1] Zugleich brachten kleinere Nationen ihre Expertise ein. So vertrat der Oberingenieur Hugo Malmi laut finnischen Presseberichten die dortige staatliche Wasserbaubehörde; nach seiner Rückkehr berichtete er ausführlich über die technischen Fortschritte.[2]

Ein herausragendes Novum der Basler Zusammenkunft lag in der sprachlichen Gleichbehandlung: Erstmals war Deutsch — neben Englisch und Französisch — als offizielle Verhandlungssprache zugelassen.[1] Diese Anerkennung fiel zeitlich exakt mit der Sitzung in Genf zusammen, auf der Deutschlands Eintritt in den Völkerbund vollzogen wurde.[1] Beobachter sehen in dieser zeitlichen Parallele kein bloßes Zusammentreffen, sondern einen Ausdruck umfassender Entspannung.[1] Während die politische Diplomatie das formelle Fundament eines zivilisatorischen Neubaus legt, bildet die gemeinsame Arbeit der Völker an technischen Aufgaben jenen unverzichtbaren Kitt, der die Einzelteile zusammenhält.[1] Gerade die nüchterne Exaktheit der Ingenieurwissenschaften, die in allen Ländern denselben physikalischen Gesetzen gehorcht und frei von nationalen Befindlichkeiten ist, vermag gegenseitige Achtung an die Stelle bisherigen Misstrauens zu setzen.[1]

Wie verbindend dieser sachliche Geist wirken kann, zeigte ein bemerkenswerter Vorfall während einer Plenarsitzung.[1] Der Führer der deutschen Delegation legte formell Verwahrung dagegen ein, eine konkrete wasserbautechnische Aufgabe einer bestimmten internationalen Kommission zu übertragen. Er begründete dies damit, dass diese Gruppierung bislang deutsche Vertreter konsequent ausschließe.[1] Daraufhin erklärte ein belgischer Delegierter öffentlich vor der gesamten Versammlung, er bedaure diesen Zustand und werde sich persönlich für die Beseitigung dieses Fehlers einsetzen.[1]

Die Weltkraftkonferenz erfüllte eine Aufgabe, welche die rein technische Ebene überstieg, indem sie Ingenieure, Finanzleute und Politiker an einem Tisch versammelte.[1] Aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung geht hervor, dass als vielleicht wichtigstes Ergebnis die inoffiziellen Unterredungen der Fachleute in den Wandelgängen und bei der Besichtigung der schweizerischen Kraftwerke zu werten sind.[1] Die Publikationen der Tagung fassen die Erfahrungen vieler Industriezweige unter kaufmännischen wie technischen Gesichtspunkten zusammen und führen den Regierungen eindringlich vor Augen, dass eine sichere Versorgung mit Kraft und Licht die unentbehrliche Grundlage für den materiellen Wohlstand bildet.[1]