Das Vorgehen italienischer Antifaschisten im Ausland sowie gewaltsame Auseinandersetzungen innerhalb der italienischen Emigrantenkolonien beschäftigen zunehmend die internationale Öffentlichkeit.[1] In New York wurden in der Nacht zum Sonntag zwei stadtbekannte Antifaschisten in ihrem Automobil durch eine Bombe getötet.[1] Während die amerikanische Polizei laut dem Pariser Figaro zunächst keine unmittelbaren Beweise für einen politischen Racheakt sieht, löst die Affäre in italienischen Kreisen erhebliche Unruhe aus.[1]

Die Spannungen haben unterdessen auf höchster Ebene zu diplomatischen Erörterungen geführt.[2] Der italienische Unterstaatssekretär Dino Grandi konferierte in Genf ausführlich mit dem französischen Außenminister Aristide Briand.[2] Grandi drückte die tiefe Beunruhigung der italienischen Regierung über die Aktivitäten politischer Flüchtlinge in Paris aus.[2] Briand erwiderte sachlich, dass in Frankreich rund 800.000 Italiener lebten und arbeiteten.[2] Die französische Regierung treffe zwar Maßnahmen gegen Individuen, welche die Gastfreundschaft missbrauchten. Italien müsse jedoch selbst verhindern, dass politisch Verdächtige ausreisen.[2] Dem Nieuwe Rotterdamsche Courant zufolge kann Briand den italienischen Forderungen nicht in vollem Umfang nachgeben, da die französische Justiz an das geltende Recht gebunden ist.[3]

In Italien verlangt die Presse nachdrücklich die Ausweisung der Emigranten.[2] Das offizielle Blatt Tribuna fordert den Entzug von Bürgerrecht und Vermögen für höhergestellte politische Gegner, namentlich Francesco Saverio Nitti.[2] Zugleich wird die Todesstrafe für jeden Attentäter gegen das Staatswesen gefordert.[2]

Auslöser der entschiedenen italienischen Reaktionen ist der jüngste Bombenanschlag auf Benito Mussolini.[2] Der Attentäter Gino Lucetti war nach einer Schießerei mit einem faschistischen Milizionär mit einem Segelboot nach Frankreich geflohen und lebte dort als Arbeiter.[2] Mussolini reagierte auf den Anschlag unverzüglich und entließ den Generaldirektor der Polizei.[1] In einem Pressegespräch erklärte der Regierungschef: „Das ist das dritte Attentat gegen meine Person.“[1] Weder Revolver noch Bomben — so betonte er nachdrücklich — könnten ihn von seinem Weg abbringen.[1] Lucetti selbst beharrt bei den Vernehmungen in Rom darauf, ohne Komplizen gehandelt zu haben.[1]