Der amerikanische Gesandte in China, J. V. A. MacMurray, äußerte sich am Mittwochabend anlässlich eines Dinners im amerikanischen Klub in Shanghai zur Frage der Sonderrechte westlicher Ausländer in der chinesischen Republik.[1][2] Wie der Hong Kong Telegraph berichtet, betonte der Diplomat, er sei angewiesen worden, den Standpunkt zu vertreten, dass die Exterritorialität ein „notwendiges Übel“ sei.[1] Die Vereinigten Staaten sähen jener Zeit erwartungsvoll entgegen, in der China seine eigene Souveränität gefestigt habe und man die amerikanischen Vorrechte bereitwillig aufgeben könne.[1][2] Gegenwärtig sei ein solcher Schritt jedoch unmöglich.[1] MacMurray unterstrich, dass die Gerechtigkeit auf dem Spiel stehe und Amerika dafür Sorge tragen müsse, dass seine Staatsangehörigen angemessen geschützt würden.[2]
Unterdessen fordert die Pariser Presse ein entschiedeneres Vorgehen der Großmächte in Ostasien.[2] Dem Avenir zufolge ist eine energische Intervention notwendig, um dem russischen Treiben in China Einhalt zu gebieten.[2] Das französische Blatt gibt zu bedenken, dass sich die Feindseligkeiten nicht ausschließlich gegen Großbritannien richten.[2]
Während die Vereinigten Staaten an den ungleichen Verträgen festhalten, drängt die chinesische Regierung in Genf auf eine grundlegende diplomatische Neuordnung.[1][3] Vor der Völkerbundversammlung erklärte der chinesische Delegierte Chu, China befinde sich in einer ähnlichen Lage wie Deutschland, da die Nation nicht im vollständigen Genuss ihrer vollen Souveränität stehe.[3] Nach Berichten des Harburger Tageblatts wiederholte Chu seine Forderung nach einer Revision der Verträge mit den Großmächten.[3] Als Zeichen einer neuen Ära der Gleichberechtigung ließ die chinesische Delegation im Völkerbundsekretariat den neuen österreichisch-chinesischen Vertrag registrieren. Dieses Abkommen wurde auf der Grundlage völliger Gleichbehandlung geschlossen.[1][3] Chu bedankte sich aus Anlass der Registrierung ausdrücklich bei Österreich und Deutschland für ihr Entgegenkommen.[3]