Die andauernden Bürgerkriegswirren in China fordern zunehmend den Einsatz ausländischer Seestreitkräfte heraus. Wie der Hong Kong Telegraph meldet, hat Admiral Clarence B. Williams, der Oberbefehlshaber der amerikanischen Asienflotte, in einer offiziellen Depesche an das Marineministerium bestätigt, dass die US-Zerstörer Stewart und Pope am 5. September in chinesischen Gewässern beschossen wurden.[1] Bereits am Vortag war der amerikanische Dampfer Iling fünf Meilen unterhalb von Hankau unter schweres Artilleriefeuer geraten.[1]

Laut dem Bericht des Admirals erlitten zwei Besatzungsmitglieder der Zerstörer oberflächliche Verwundungen, während die Schiffe selbst mehrfach von Geschossen getroffen wurden.[1] Das Feuer, dessen Ursprung auf der Südseite des Jangtsekiang etwa 50 Meilen unterhalb von Hankau lag, wurde von den amerikanischen Einheiten nicht erwidert. Die Matrosen konnten die feindlichen Stellungen im unübersichtlichen Gelände nicht ausmachen.[1] In einem zweiten Telegramm teilte Williams mit, dass das Kanonenboot Palos, der Zerstörer Stewart sowie der Minensucher Pigeon sich nahe Hankau gegen einen kombinierten Angriff aus Artillerie- und Gewehrfeuer verteidigen mussten. Dieser Angriff ging von nicht eindeutig identifizierten Truppen aus.[1] Auf amerikanischer Seite gab es dabei keine Verluste.[1]

Die US-Marine reagierte auf diese Vorfälle mit raschen Truppenverschiebungen. Laut der China Mail werden die in Hankau stationierten Zerstörer nun durch die Schiffe Ford und Pillsbury abgelöst, die aus Tschifu anrücken.[2] Die beschädigte Stewart wird zu Überholungsarbeiten nach Manila verlegt.[2] Dem Madrider El Sol zufolge haben zudem zwei weitere amerikanische Zerstörer Schanghai mit Kurs auf Hankau verlassen.[3] Damit beläuft sich die Stärke der auf dem Strom eingesetzten amerikanischen Flottenverbände auf insgesamt sechs Zerstörer und zwei Kanonenboote.[3]

Die bedrohliche Lage auf dem Binnenfluss resultiert aus dem militärischen Vormarsch der Südtruppen. Aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung geht hervor, dass die kantonesischen Einheiten unaufhaltsam nach Norden drängen.[4] Zwar sei es in Hankau gegenwärtig ruhig, und das benachbarte Wutschang werde noch von Nordtruppen gehalten, doch westlich von Kiukiang liefern sich die Invasoren heftige Gefechte mit den Verbänden von Suntschuanfang.[4] Um den Vorstoß aufzuhalten, haben Generäle unter Wupeifu beschlossen, Suntschuanfang zum Oberbefehlshaber der alliierten Armeen von neun Provinzen zu ernennen.[1] Unterdessen hat die Kommission für die Aufhebung der Exterritorialität in Peking ihre Arbeiten beendet und einen Abschlussbericht unterzeichnet. Infolgedessen trat der amerikanische Delegierte umgehend die Heimreise an.[3][4]